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Hey Siri, wie geht es mir?


Apple und Depression – wie passt das zusammen?

Kontaktbeschränkungen haben Menschen weltweit zuletzt einsam gemacht. Die Angst sich mit dem Virus zu infizieren, das Vermeiden von sozialen Kontakten, die Angst den Job zu verlieren oder schlechter in der Schule zu werden, hat vielen Menschen große Sorgen bereitet. Seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Menschen, die an Depressionen- oder Angstsymptomen leiden, stark angestiegen. Häufig ist es jedoch der Fall, dass die Erkrankung nicht erkannt wird, sondern als ein vorübergehendes Tief abgetan wird. Forscher versuchen deshalb schon seit Jahren eine Technologie zu entwickeln, die entsprechende Symptome frühzeitig erkennt.

Der Technologiekonzern Apple arbeitet deshalb zurzeit an einem Algorithmus, der Depressionen bereits in einem frühen Stadium erkennen soll, dass berichtete das Wall Street Journal. Es sollen Daten der Videokamera, Tastatur und Audiosensoren des iPhones, sowie Daten zu Bewegung und Schlaf analysieren, all die, die Hinweise über unseren Gemütszustand liefern könnten. Obendrein soll die Tippgeschwindigkeit, die Häufigkeit von Tippfehlern und der Inhalt des Geschriebenen gemessen werden.

An der University of California untersuchen Forscher diese Daten derzeit nach Mustern, die mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Zeitgleich werden Probanden gerade in Form von einem Fragebogen zu ihren Gefühlen befragt. Die Forscher wollen so herausfinden, inwieweit sich über die Daten, Rückschlüsse auf unsere Gesundheit ziehen lassen. Auch zu den Erkrankungen Demenz und frühkindlicher Autismus finden derzeit ähnliche Untersuchungen statt.

Das Forschungsprojekt befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Wenn Daten mit relevanten psychischen Erkrankungen korrelieren sollten, will Apple diese Signale nutzen und in eine Funktion umwandeln. Die Nutzer sollen dann gewarnt werden und werden aufgefordert, sich mit einem Arzt in Verbindung zusetzten. Ob Apple dieses Ziel jedoch erreicht, hängt sicherlich auch von dem Vertrauen der Verbraucher ab. Denn das Ausmaß der dann erforderlichen Überwachung wird sicherlich bei vielen für Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes sorgen. Diese Bedenken möchte Apple mit einem Algorithmus umgehen, der die Daten der Nutzer direkt auf dem iPhone verarbeitet, aber nicht an den Apple-Server sendet.
Es gibt einige ethnische Bedenken, denn man sollte sich die Frage stellen, ob schwerwiegende psychische Erkrankungen ohne eine professionelle Beratung wirklich geklärt werden können: Inwieweit sind die Daten wirklich aussagekräftig? Können nur geschulte Psychologen eine psychische Erkrankung feststellen? Verliert der Menschen nicht sein Gefühl für seine Körpersignale oder für seine Orientierung, wenn er sich erst einmal auf digitale Assistenten verlässt? Heutzutage verlassen wir uns blind auf unser Smartphone, wir benötigen beim Autofahren ein Navi, wenn wir laufen gehen, dann nutzen wir Fitnessapps und wir hören Musik über unser Smartphone, Musik die uns eine KI vorschlägt auf Grund von einem Algorithmus.


Folgend sollte man den Aspekt des Schutzes der Privatsphäre ebenfalls im Blick haben.
Wann und ob dieses Projekt jemals den Endverbraucher erreicht ist allerdings fraglich. Es könnte durchaus sein, dass es nie zu einer solchen iPhone-Funktion komme, sollten die technischen, ethischen und wissenschaftlichen Fragen nicht geklärt werden können, heißt es vom Konzern.

Dennoch ist Apples Forschung zur Emotions-KI ein weiterer Hinweis darauf, dass das Feld wächst. Den gerade Maschinen die mit KI ausgestattet sind erobern immer mehr das menschliche Leben, sie gewinnen auch immer mehr an Bedeutung bei der Behandlung psychischer Leiden, sie drängen gerade zu in die klinische Praxis. „Das Potenzial von KI-Anwendungen für die seelische Gesundheit ist enorm“, sagt die Medizinethikerin Alena Buyx. Sie hat zusammen mit Kollegen der Technischen Universität München kürzlich eine Übersichtsarbeit zum Thema verfasst. Wir erleben zurzeit auf der einen Seite eine Flut von psychisch Kranken die dringend eine Therapie brauchen und auf der anderen Seite einen Mangel an Therapeuten, die KI könnte hier eine wichtige Lücke füllen, der virtuelle Coach der hilft. Laut der WHO leiden weltweit mehr als 300 Millionen Menschen an einer Depression und mehr als die Hälfte von ihnen bekommt keine Therapie. Ein erschreckendes Bild. Ein virtueller Therapeut wäre zu jeder Zeit erreichbar, Morgens und Abends, Tag und Nacht, zu Hause oder auf der Reise. Er speichert jede Information, vergisst also nichts und ist in der Regel sogar kostengünstiger als ein menschlicher Therapeut. Es gibt schon eine Vielzahl von Apps, die psychisch Erkrankten helfen. Diese Apps erstellen allerdings keine Diagnose, sie reagieren nur auf die Äußerungen des Nutzers und versuchen ihn aufzubauen und gut zuzureden. Die Apps schlagen vor, einen Experten auszusuchen. Doch wo zieht man bei solchen Apps eine Grenze, wenn nicht alle Apps darauf hinweisen, dass sie keine medizinischen Ratschläge geben. „Therapeutische KI-Anwendungen sind Medizinprodukte, für die wir entsprechende Zulassungsverfahren und ethische Handlungsvorgaben brauchen“, sagt Buyx. Die Psychologin Wagner sagte: „Eine App könne zwar in eine Behandlung eingebaut werden, im Mittelpunkt müsse aber die persönliche Begegnung zum Therapeuten stehen.“ Denn die Entstehung einer psychischen Erkrankung ist komplex und deswegen brauche man auch genauso für die Behandlung einen komplexen Ansatz. Des Weiteren ist das Verhältnis zwischen Maschine und Mensch sehr ungleich. Der Mensch ist dem Roboter völlig egal, gab der Kognitionswissenschaftler und Roboterforscher Matthias Scheutz von der US-amerikanischen Tufts-University zu bedenken.

Festzuhalten ist, dass, all das helfen könnte, Depressionen frühzeitig zu erkennen, es löst allerdings nicht den Kern des Problems. Die Zahlen der psychisch Kranken steigen stark an und Psychotherapeuten können die Anfrage nach Terminen längst nicht mehr handhaben. Denn fast jeder zweite physisch Kranke muss, laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtk), drei bis neun Monate auf eine Behandlung warten. Es soll KI eingesetzt werden, um die Bedarfsplanung zu reformieren, denn die Therapien an sich kann bisher noch keine künstliche Intelligenz übernehmen. Wann die Reform kommen soll ist noch unklar, jedoch würde sie beiden Parteien, Therapeuten und Patienten helfen und beide Seiten stark entlasten.
Denn dass die Krankenkassen stark überlastet sind, ist jedem klar.

Mehr Informationen zu Frühsymptomen, Ursachen, Auswirkungen und den Verlauf von Depressionen kann man hier nachlesen:
https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/fruehsymptome