KULTUR GEBLOGGT

Foto: Fritz Schumann
Foto: Fritz Schumann

Jede Woche neu inszeniert. Was geht in Kultur, MUST SEEs und MUST BEs für Euch gefiltert und gezoomt.

Euer Seán

Der Barbier von Sevilla

Bevor ich hier irgendwas schreibe, kurz zum Festhalten: Dies war meine erste Oper. Nicht, dass das eine Rolle spielt, aber anscheinend muss man sich ja an Opern gewöhnen. Das sagen zumindest die Opas, also die Leute von der Oper selbst. Und gerade Der Barbier von Sevilla soll die perfekte „Einstiegsoper“ sein, die Oper für alle, die Opern nicht „gewöhnt“ sind. Ja gut, das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Kurz gefasst, ist es die Geschichte eines Inkognito-Grafen, der seine Geliebte Rosina von ihrem Verlobten Bartolo befreien möchte, sie hat sich nämlich auch in ihn verliebt. Was nach einem Disney-Film klingt, wurde hier als Oper im Theater Mönchengladbach inszeniert. Erstaunlich, dass der Hipster-Bart des Figaros in unsere heutige Zeit so perfekt passt. Besonders überrascht hat mich die moderne Umsetzung des Stücks. Anstatt aufwendigen Requisiten, wurde einfach ein großer Blue-Screen verwendet. Auch die Übersetzungen sollten vermutlich die Jugendlichen in’s Theater bringen, so fielen des Öfteren die Worte „besoffen“ und „alter“. Ist es komisch, dass ich mir eine klassische altmodische Version gewünscht hätte? Vielleicht liegt das an meinem Tumblr-Hipster-Denken. Altmodisch ist Vintage und Vintage ist in. Besonders die zweite Hälfte hat mich begeistert, begeistert im Sinne von mein-Geist-verlässt-meinen-Körper. Nicht weil die Arien nicht gut waren, auch nicht der Story wegen. Opern sind nunmal nicht everybody’s cup of tea. Mein Tee war’s eigentlich, wahrscheinlich muss ich ihn noch ein bisschen ziehen lassen, um ihn genießen zu können.