Vom Bauingenieur zum Game Designer, ein ungewöhnlicher Weg

Ich habe schon sehr früh angefangen zu arbeiten. Nach einer längeren Tour habe ich mir erst einmal eine Auszeit genommen und bin nach Kenia zurückgegangen. Danach habe ich Bauingenieurwesen studiert. Während des Studiums war ich an einem Punkt wirklich glücklich, habe aber parallel freiberuflich gearbeitet, vor allem in der externen Projektleitung.

Dabei hatte ich viel Kontakt mit Menschen aus verschiedenen Ländern, bin viel gereist und habe gemerkt: Ich rede einfach unglaublich gerne. Außerdem weiß ich über viele verschiedene Themen ein bisschen Bescheid. Dieses breite Grundwissen hilft extrem, wenn man mit Menschen arbeitet und Geschichten erzählen will.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich etwas Freieres machen möchte. Ich wollte raus aus dem klassischen Ingenieurwesen und auch aus dem Teambuilding, besonders weil Corona den direkten Kontakt zu Menschen fast unmöglich gemacht hat. Kunst allein schien mir allerdings zu unsicher, also habe ich nach etwas gesucht, das kreativ, aber trotzdem realistisch ist. So bin ich beim Kommunikationsdesign gelandet.

Beworben habe ich mich tatsächlich nur mit meinen Zeichnungen, nichts anderes. Im Studium bin ich dann über einen Dozenten auf das Thema Game Design gestoßen. Die Idee, ein eigenes Spiel zu machen, hatte ich schon länger, vor allem weil mich interessiert, wie Geschichten erzählt werden.

Warum Geschichten so wichtig sind

Geschichten sind für Menschen extrem wichtig. Wissen wird über Generationen weitergegeben, durch Austausch und Dialog. Niemand existiert allein – wir lernen immer voneinander. Genau das fasziniert mich.

Heute arbeite ich freiberuflich und gebe Zeichen-, Animations- und Storytelling-Workshops. Ich erkläre zum Beispiel, wie Geschichten im Comic oder allgemein aufgebaut sind. Dabei nutze ich oft das Modell „Der Held mit den tausend Gesichtern“ von Joseph Campbell. Außerdem arbeite ich viel mit Museen und NGOs zusammen.

Teamarbeit und starke Figuren

Meine Projektpartnerin Ida ist einen ganz anderen Weg gegangen: sehr geradlinig und akademisch. Wir haben uns im Studium kennengelernt und uns super ergänzt. Sie hat besonders Wert darauf gelegt, dass unsere Geschichte eine gut geschriebene Protagonistin hat.

Uns war wichtig, keine extreme Figur zu erschaffen: Keine Heldin, die von Anfang an alles kann, Aber auch niemanden, der völlig hilflos ist. Unsere Hauptfigur ist kompetent, lernt aber dazu und eignet sich ihre Fähigkeiten selbst an. Das macht sie interessant – und glaubwürdig.

Mich persönlich begeistern vor allem Mythologien und alte Geschichten. Dass wir im Team ähnlich gedacht, aber unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt haben, hat dem Projekt sehr geholfen.

Game Design, Animation und Programmierung

Im Studium gab es einen Game-Design-Kurs. Dort haben wir nicht einfach fertige Lösungen bekommen, sondern selbst erarbeitet, wie Spiele funktionieren. Schritt für Schritt ging es um Animation, Mechaniken und darum, warum Animationen in Spielen ganz anders funktionieren als in Filmen oder Werbung.

Das Lernen war anstrengend und zeitintensiv, aber es hat sich gelohnt. Ich habe die Animation übernommen, Ida das Programmieren in C#, weil das eine der gängigsten Sprachen ist und es dafür viele Tutorials gibt.

Ein wichtiger Tipp:

Als Designer*in müsst ihr euch viel selbst beibringen. Im Studium nehmt ihr vor allem das mit, was ihr euch aktiv aneignet. Manchmal ist das frustrierend, besonders bei Themen, auf die man eigentlich keine Lust hat. Aber genau diese Dinge helfen euch später weiter. Perfektionismus bringt dabei wenig – wichtiger ist, dranzubleiben.

Programme und Tools

Für die Animation habe ich Clip Studio Paint genutzt – mit einem großen Bildschirm, was echt hilft. Als Game-Engine haben wir Unity verwendet, weil man damit Spiele für verschiedene Plattformen entwickeln kann, zum Beispiel PC, PlayStation oder Xbox. Unser Spiel ist technisch gesehen 2D, aber mit mehreren Ebenen aufgebaut. Dadurch entstehen Effekte wie Parallax Scrolling, bei dem sich Hintergründe langsamer bewegen als der Vordergrund. Das macht optisch einen riesigen Unterschied. Unity ist übrigens kostenlos nutzbar, solange man bestimmte Grenzen einhält. Selbst wenn wir später Geld damit verdienen, finden wir es fair, Unity dafür zu bezahlen.

Für Einsteiger: Welches Tool ist sinnvoll?

Wenn du ein sehr einfaches 2D-Spiel machen willst, ist Unity vielleicht etwas komplex, weil du dafür C# lernen musst. Alternativ kannst du: eigene Grafiken (Assets) erstellen, diese in Tools wie Godot oder ähnliche Baukastensysteme einbauen. Dort kannst du Spiele zusammenstellen, ohne direkt tief zu programmieren. Du lernst trotzdem, wie Spiele aufgebaut sind – bist aber weniger frei als mit Unity.

Wenn du später Richtung Cyber Security gehen willst, ist Python eine sehr gute Wahl. Um herauszufinden, ob Programmieren dir generell Spaß macht, ist ein kleines Spielprojekt auf jeden Fall eine gute Idee.