Die Standpunkt-Redaktion durfte die zweitägige Model United Nations Konferenz (MUN) am Nelly-Sachs-Gymnasium begleiten. Schülerinnen und Schüler aus acht Schulen aus dem Umkreis sowie aus dem Ausland, unter anderem vom Scala College Alphen a.d.R., schlüpften in die Rollen von Delegationen, diskutierten internationale Themen auf Englisch und lernten, komplexe Probleme zu lösen. In unserem Bericht bekommt ihr sowohl die Perspektiven der begleitenden Lehrkräfte als auch der teilnehmenden Schüler:innen zu sehen. Außerdem fand ein sehr konstruktives Gespräch unter den Redakteurinnen statt, das die Chancen und Herausforderungen eines solchen Projekts für ihre eigene Schule hinterfragt.

Sofija, Annika, Ida haben die Standpunkt-Redakteurin Elif Koca bei den MUN Konferenzen an ihrer Schule, dem Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss besucht und begleitet.
Learning by Doing: Zwischen Anzug, Krawatte und internationalen Resolutionen
Wenn man an Schule denkt, fallen einem meist Unterricht, Hausaufgaben und Klausuren ein. Die zweitägige Model United Nations Konferenz am Nelly-Sachs-Gymnasium zeigt, dass Schule auch anders geht. Wir von der Standpunkt-Redaktion – Elif, Sofija, Annika und Ida – durften die Konferenz begleiten, die Schüler:innen aus verschiedenen Schulen, sogar aus den Niederlanden, zusammenbrachte. Hier debattieren sie internationale Themen in simulierten UN-Councils, vertreten Länder und Organisationen, diskutieren auf Englisch und lernen neben Fachwissen auch Fähigkeiten wie Diskussionsführung, Teamarbeit und Perspektivwechsel.















Schon beim Betreten des Raums fällt die besondere Atmosphäre auf. Die Teilnehmer:innen tragen Anzug oder Blazer, sprechen Englisch und wirken hoch konzentriert, trotzdem ist die Stimmung locker und energiegeladen. „Es ist schon beeindruckend, zu sehen, wie die Schüler freiwillig und engagiert debattieren. Man merkt sofort, dass sie aus eigenem Interesse hier sind“, erzählt Katrin Müller, Lehrerin am Quirinius Gymnasium, die eines der Teams begleitet und MUN-Projekte seit vielen Jahren auch überregional betreut. „Gerade wenn man selbst mal den Glauben an Schüler verliert, sieht man hier: da wächst etwas, das einen wirklich begeistert.“
In den Sitzungen lernen die Schüler:innen, andere Perspektiven einzunehmen, selbst die, die sie persönlich nicht vertreten würden. „Manchmal muss man die Position eines Landes vertreten, mit der man eigentlich nicht übereinstimmt. Das ist eine super Lernerfahrung“, erklärt Katrin Müller. Sie betont, dass besonders die Teilnehmer:innen profitieren, die beim ersten Mal eher unsicher sind: „Learning by Doing ist das Motto. Die erfahrenen Schüler trainieren die Neuen, weil sie es am besten erklären können. Man entwickelt Selbstbewusstsein, nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich und vor Publikum.“
Das ausführliche Interview mit einer begleitenden Lehrerin:
Ein Blick von innen: Teilnehmer:innen berichten
Elif hat für uns die Stimmen der Schüler:innen eingefangen. Die MUN-Teilnehmer:innen schildern, wie intensiv und bereichernd die Konferenz ist: „Zu Beginn ist uns aufgefallen, dass alle richtig positiv und energiegeladen waren. Schon vor der Konferenz gab es nette Gespräche zwischen den Delegierten. Während der Debatten merkt man, dass man komplexer an Themen rangeht. Fragen, die man sonst in zwei Sätzen beantwortet hätte, werden hier richtig tiefgründig behandelt“, erzählt Oliver Steffen ein Teilnehmer vom Nelly-Sachs Gymnasium.






Er berichtet weiter: „Man denkt global und betrachtet Themen aus verschiedenen Perspektiven. Wenn man mit Leuten aus den Niederlanden spricht, merkt man, dass deren Schulsystem anders ist und sie neue Ideen einbringen.“
Die demokratischen Prozesse kommen nicht zu kurz erzählt Konrad Bremer aus dem Human Rights Council: „Man merkt, wie wichtig es ist zu diskutieren und unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen zu lassen. Aber der Spaß darf auch nicht fehlen. Es macht Freude und darf auch locker sein.“
Schwieriger ist es manchmal, die eigene Meinung hintenanzustellen: „Man muss die Position des Landes vertreten, aber die eigene Meinung kommt manchmal dazwischen. Dann gerät man schon mal in einen Konflikt zwischen eigener Haltung und der Rolle, die man spielen soll.“
Zu den Feedbacks der Teilnehmenden:
Perspektive der Redakteurinnen: Chancen und Herausforderungen für andere Schulen
Wir, Sofija, Annika und Ida, waren besonders neugierig, ob ein Projekt wie MUN auch an unserer Gesamtschule funktionieren könnte. Wir finden das Konzept spannend, sehen aber auch Herausforderungen: „Man braucht definitiv die richtigen Menschen, die das freiwillig machen und ihre Meinung vertreten möchten. Es geht nicht nur darum, Unterricht ausfallen zu lassen“, erklärt Ida.






Elif ergänzt: „Man kann nicht einfach nichts tun. Es gibt Punishments oder Konsequenzen, wenn man sich nicht einbringt. Das sorgt für Disziplin und Engagement.“
Annika betont: „Wir müssen die Anreize klar darstellen, damit die Mitschüler:innen verstehen, was sie davon haben.“ Sofija ergänzt: „Und wir müssen die möglichen negativen Seiten beachten, zum Beispiel was passiert, wenn jemand sich nicht beteiligt.“
Trotz der Herausforderungen sehen wir große Chancen: „Wenn man so ein Projekt beschließt, baut man schnell eine Community auf. MUN ist international vernetzt. Man kann andere Schulen finden, sich austauschen und in die MUN-Community integriert werden. Der Einstieg mag schwer sein, aber danach läuft es gut“, erklärt Elif.
Die Themen der Konferenz sind breit gefächert. Dieses Jahr steht alles unter dem Oberthema „Humanity At The Tipping Point – Survival or Selfdestruction “, also dem Kipppunkt zwischen Rettung der Menschheit oder egoistischem Handeln einzelner Länder. „Es gibt viele Councils, zum Beispiel WHO oder Human Rights Council, und man findet auf jeden Fall ein Thema, das zu den eigenen Interessen passt“, so Elif.
Die Reichweite und der Nutzen sind groß. „Man bekommt Aufmerksamkeit von Politiker:innen und Journalist:innen. Gestern war die RTL-Journalistin Mathilde-Sophie Göbel da und hat ihren Lebensweg erzählt. Man lernt viele Persönlichkeiten kennen“, erzählt Elif. „Und man erhält ein Zertifikat, das man für den Lebenslauf nutzen kann. Man lernt Diskussionsführung, Zusammenarbeit, Englisch und entwickelt Selbstbewusstsein.“
Zum Gespräch mit den Redakteurinnen:
Die MUN-Konferenz zeigt, dass Schule mehr sein kann als Klassenraum und Klausuren. Die Schüler:innen diskutieren, verhandeln, lernen komplexe Zusammenhänge und übernehmen Verantwortung. Für uns Redakteurinnen ist klar: Ein Projekt wie MUN kann Schule machen, nicht nur an Gymnasien, sondern auch an anderen Schulformen. Wer Interesse und Motivation mitbringt, kann dabei nicht nur seine Fähigkeiten erweitern, sondern Teil einer internationalen Community werden, in der Demokratie, Engagement und Perspektivwechsel praktisch erlebt werden.
Anmerkung und Danksagung der Standpunkt-Redaktion
Als eingeladene junge Redaktion durften wir die diesjährige MUNelly-Konferenz aus nächster Nähe begleiten. Dabei haben wir gemerkt, wie viel Organisation, Verantwortung und persönliches Engagement hinter diesen zwei Tagen stehen. Wir bedanken uns bei Meike Gönensay, die die Konferenz mit geplant und umgesetzt und bei Elif Koca aus unserer Redktion, die uns dazu eingeladen hat. Für uns war es inspirierend zu sehen, wie Schule aussehen kann, wenn Engagement, Vertrauen und internationale Zusammenarbeit zusammenkommen. Danke für die Möglichkeit darüber zu berichten. Mehr Details zum Projekt auf: http://www.munelly.de/

