Ein Kommentar von Nicos Kosmeridis
Die Digitalisierung steht im völligen Kontrast zur Demokratie. Und trotzdem versucht man, beides mit allen Mitteln zu vereinen.
Auf der einen Seite die Demokratie mit der Meinungsfreiheit, auf der anderen Individuen, die mittels digitaler Medien den Hass-Speech vorantreiben möchten.
Die Möglichkeit, Gefühle und Meinungen zu veröffentlichen, stellt oft Fakten und Argumentation eher in den Hintergrund. Dies hat zur Folge, dass die Demokratie, die an Fakten und Vernunft gebunden ist, plötzlich einer riesigen Masse an Meinungen, nicht belegten Theorien und sonstigen fragwürdigen Aussagen ausgesetzt ist.
Der Widerspruch liegt darin, dass vernünftige Diskussionen und demokratische Auseinandersetzungen, die auf realen Problemen basieren, mit dem Internet, das dazu ausgelegt ist, Wünsche zu erfüllen und sich der Meinung des Nutzers anzupassen, kombiniert werden.
Das reißt immer größere Lücken in die Gesellschaft, da jeder nur seine eigene Meinung immer wieder liest und vom Internet serviert bekommt.
Somit bekommt der Nutzer, was er lesen und hören möchte, beschäftigt sich aber nicht mit dem gesamten Spektrum, da er von anderen Meinungen so gut wie nichts mitbekommt.
Wie funktioniert also die korrekte Nutzung der digitalen Welt?
Die Herausforderungen liegen größtenteils bei Politik und Gesellschaft. Es gilt, Konzepte zu entwickeln, die digitale Meinungen klar von demokratischen Diskussionen trennen, anstatt die unmögliche Verschmelzung dieser unvereinbaren Dinge voranzutreiben.
- Anstatt alles durchgehen zu lassen, unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, könnten fragwürdige Berichte und Meinungen als solche gekennzeichnet werden.
- Bots könnten reduziert werden durch sofortige Einschränkungen, mit den Folgen von Strafgeldern.
- Gezielte politische Werbung, die an bestimmte Leute verkauft wird, abschaffen oder stärker regulieren mittels Datenschutzverordnungen.
Die Europäische Union kann dieses Problem noch lösen, wenn sie es möchte und den Schwall an nicht belegten Meinungen, Hassbotschaften oder durch Bots generierten Manipulationen von der vernünftigen Demokratie entwirrt.
Das erfordert allerdings die nötige Aufmerksamkeit. Nur so kann digitale Meinungsfreiheit mit dem Schutz demokratischer Prozesse in Einklang gebracht werden.
