Katrin Müller, Lehrerin am Quirinius Gymnasium, begleitet eines der teilnehmenden Teams und betreut die MUN-Projekte seit vielen Jahren, auch überregional. Neben Schulen aus der Region können auch Teams aus dem Ausland an den Konferenzen teilnehmen. Die Teilnahme erfolgt über ein Bewerbungsverfahren, in dem die Schüler:innen von ihren Lehrkräften empfohlen werden und Interviews absolvieren. Die Veranstaltungen bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, in authentischen, international orientierten Debatten Sitzungen der Vereinten Nationen auf Englisch zu simulieren und sich über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen.
Das Interview mit Katrin Müller, begleitende Lehrerin des Teams vom Quirinius Gymnasium.
Standpunkt: Frau Müller, was macht die MUN-Konferenz für die Schüler:innen so besonders?
Katrin Müller: Vor Jahren habe ich das erste Mal eine MUN Konferenz in Oldenburg besucht. Es hat mich total beeindruckt, in den Raum zu gehen und zu sehen, wie alles so koordiniert abläuft, wie professionell das ist. Schülerinnen und Schüler, die freiwillig und wertschätzend in entsprechender Kleidung auf Englisch debattieren. Das gibt einem schon wieder den Glauben an die Zukunft.
Standpunkt: Was fällt Ihnen noch auf, wenn man diese Konferenz besucht?
Katrin Müller: Es ist schon erstaunlich, wie die Schüler sprachlich ins Englische reinkommen. Das ist ja ganz anderes Englisch, als man sonst im Unterricht kennt. Wenn jemand zwei Tage hintereinander so eine Debatte verfolgt, bekommt er mehr Input an Englisch und Themen, als in 200 Unterrichtsstunden. Außerdem lernen sie Schüler aus anderen Schulen, auch international, kennen. Das eröffnet Netzwerke und neue Perspektiven.
Standpunkt: Könnte das auch an anderen Schulformen funktionieren?
Katrin Müller: Ich weiß, ich war vor zwei Jahren drei Wochen in Holland auf einer Veranstaltung. Da war eine deutsche Schule, die war eindeutig kein Gymnasium, und die Schüler sagten, das sei eine ziemliche Herausforderung, aber auch extremes Wachstum. Man muss schon Englisch verstehen und Mut haben, sich vor einer Gruppe zu äußern. Es ist nicht nur normales Englisch, das sind Spezialthemen.
Standpunkt: Wie motivieren Sie die Schüler:innen?
Katrin Müller: Ich sage ihnen immer, dass das hier außerhalb von jeglicher Bewertung ist. Sie können sich ausprobieren, ohne Konsequenzen. Das hilft besonders denen, die nicht die typischen „E-Spitzen“-Schüler:innen sind. Manche Teilnehmer:innen haben sich so reingearbeitet, dass sie unglaublich viel Selbstbewusstsein entwickelt haben, nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich und vor Publikum.
Standpunkt: Wie läuft die Vorbereitung ab?
Katrin Müller: Meistens sagt man, man muss mindestens zweimal teilnehmen. Beim ersten Mal geht es um Übung, beim zweiten Mal wissen sie, wie sie sich einbringen. Learning by Doing ist das Motto. Die erfahrenen Schüler trainieren die Neuen, weil sie es am besten erklären können. Ich selbst konnte anfangs das Vokabular kaum, genauso wie die Anfänger.
Standpunkt: Welche Herausforderungen gibt es noch?
Katrin Müller: Es ist eine besondere Form, Positionen zu vertreten, die man selbst nicht teilt. Zum Beispiel, man muss gegen Frauenrechte argumentieren, obwohl man selbst dafür ist. Das ist ein Konflikt, aber gleichzeitig eine super Lernerfahrung. Man lernt, die Perspektive der Gegenseite zu verstehen, was die eigenen Argumente später stärkt.
Standpunkt: Kann man das Interesse an Politik auch wecken?
Katrin Müller: Ja, auf jeden Fall. Wir haben schon mal mit einer Klasse einen Probelauf gemacht. Die strengen Regeln, wer sprechen darf, wer nachfragen darf sind neu, aber spannend. Man kann diese Simulation durchaus auch im Unterricht durchführen, um Schüler für politische Diskussionen zu begeistern.
Standpunkt: Wie werden die Teilnehmer:innen ausgewählt?
Katrin Müller: Es gibt Bewerbungen mit Empfehlung eines Lehrers. Aber viele Schüler:innen machen das einfach freiwillig, weil sie Spaß daran haben und sich einbringen wollen. Man kann nicht einfach teilnehmen, um Unterricht ausfallen zu lassen, das funktioniert nicht.
Standpunkt: Wie wichtig ist die internationale Vernetzung?
Katrin Müller: Sehr wichtig. Wir haben Teilnehmer aus den Niederlanden, aus verschiedenen Teilen Deutschlands, sogar international. Das erweitert die Perspektiven, man lernt, wie andere Schulsysteme funktionieren und wie Jugendliche anders denken.
Standpunkt: Was nehmen die Schüler:innen am Ende mit?
Katrin Müller: Sie lernen Diskussions- und Argumentationstechniken, entwickeln Selbstbewusstsein, Englischkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen. Dazu gibt es ein Zertifikat, das sie auch für Lebenslauf oder Bewerbung nutzen können. Für viele ist das ein Highlight und eine Chance, die sie sehr schätzen.



