Kinder tüfteln, programmieren, gestalten: Die 4. Klasse der Grundschule KGS Untereicken durfte in der Stadtbibliothek einen kreativen MINT-Workshop erleben. Unter der Leitung von Medienpädagogin Sabine Kainth lernten die Kinder spielerisch, wie Programmieren und Algorithmen funktionieren und dass digitale Technik nicht nur konsumiert, sondern auch selbst gestaltet werden kann. Ein Workshop, der Spaß macht, Medienkompetenz fördert und die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer digitalen Welt abholt.
In der Stadtbibliothek wurde heute intensiv gearbeitet: Die 4. Klasse der Grundschule KGS Untereicken nahm an einem kreativen MINT-Workshop teil. Unter der Leitung der Medienpädagogin Sabine Kainth setzten sich die Schülerinnen und Schüler spielerisch mit den Grundlagen von Programmierung und Elektronik auseinander. Das Team der MedienWerkstatt*, Caroline, Janina, Zoe und Farida, haben mit ihr über Inhalte, Zielgruppen und die Bedeutung früher Medienbildung gesprochen.
Frau Kainth, wir konnten heute miterleben, wie Sie mit einer vierten Klasse diesen Workshop durchgeführt haben. Die Vierklässler waren echt begeistert und wir sehr beeindruckt. Können Sie uns zunächst einen Überblick geben, worum es in dem Workshop ging?

Sehr gern und zunächst vielen Dank für das Lob. Mir hat der Workshop heute ebenfalls sehr viel Freude bereitet, und man hat gemerkt, dass auch die Kinder großen Spaß hatten. Der Workshop ist Teil unserer kreativen MINT-Angebote, die wir hier in der Stadtbibliothek regelmäßig durchführen. Im Prinzip geht es darum, den Kindern auf eine sehr einfache Weise zu vermitteln, was Programmieren eigentlich bedeutet. Also ganz grundlegend: Wenn ich etwas mache, dann passiert etwas.
Uns ist wichtig, dass das Ganze möglichst spielerisch und kreativ abläuft. Deshalb wechseln wir bewusst von einem analogen Medium, etwa Papier, hin zu etwas Digitalem und Technischem. Dafür nutzen wir sogenannte Makey Makeys, kleine Einplatinen-Computer, sowie eine sehr visuelle und kindgerechte Programmiersprache namens Scratch. Das Ziel ist, dass die Kinder viel sehen, viel ausprobieren und aktiv mitarbeiten können und eben keinen klassischen Frontalunterricht erleben.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des Workshops heute?
Ich bin wirklich sehr zufrieden. Für mich war dieser Workshop in dieser Größe tatsächlich eine Premiere. Normalerweise arbeite ich mit Gruppen von etwa 15 Kindern, meist im Alter von neun bis elf Jahren. Heute war es zum ersten Mal eine komplette Schulklasse, nämlich die 4. Klasse der KGS Untereicken.
Ich hatte im Vorfeld durchaus Bedenken, etwa wegen der Lautstärke, da alle Kinder gleichzeitig verschiedene Sounds ausprobiert haben. Aber das hat sehr gut funktioniert. Besonders wichtig ist mir, dass jedes Kind am Ende ein Ergebnis hatte. Es soll keine Frustration entstehen, weil etwas nicht funktioniert hat. Heute hat es bei allen geklappt und genau das ist für mich ein zentraler Erfolgsfaktor dieser Workshops.
Warum haben Sie sich bewusst für Viertklässler entschieden und nicht für ältere Schülerinnen und Schüler?
Dieser Workshop ist als Einstieg in den MINT-Bereich gedacht, und ein solcher Einstieg sollte nicht erst in der zehnten Klasse erfolgen. Es geht um grundlegende Zusammenhänge: Wenn ich etwas auslöse, passiert etwas dieses Verständnis kann man sehr gut schon in der Grundschule aufbauen.
Kinder im Alter von etwa acht oder neun Jahren bringen dafür genau die richtigen Voraussetzungen mit. Sie haben bereits ein grundlegendes Verständnis und auch die nötigen motorischen Fähigkeiten, etwa beim Verkabeln der Technik. Mit jüngeren Kindern wäre das deutlich schwieriger. Zudem ist das Interesse in diesem Alter oft noch sehr offen und unverbraucht. Bei manchen Kindern kann man damit vielleicht sogar ein langfristiges Interesse für technische oder kreative Bereiche wecken.
Welche Rolle spielt dabei Medienkompetenz?
Eine sehr große. Die Kinder leben ohnehin in einer digitalen Welt. Viele sagen bereits zu Beginn, dass sie wissen, wie ein Laptop funktioniert oder dass sie „programmieren“ können. Wir holen sie genau in dieser Lebenswelt ab und zeigen ihnen, dass sie nicht nur Konsumenten, sondern auch aktive Gestalter sein können. Medienkompetenz bedeutet für mich, zu verstehen, was man tut, und selbst kreativ Inhalte herstellen zu können. Das ist wichtig, um sich später ausdrücken und eine eigene Meinung vertreten zu können.
Im weiteren Sinne ist das auch demokratiefördernd, denn so wachsen kompetente, mündige Bürgerinnen und Bürger heran. Das ist der übergeordnete Gedanke hinter meiner Arbeit als Medienpädagogin.
Gab es aus Ihrer Sicht auch Punkte, die nicht optimal gelaufen sind?
Ja, vor allem organisatorisch. Da der Workshop im schulischen Kontext stattfand, war ein Zeitrahmen von 90 Minuten vereinbart. Wir haben diesen etwas überschritten, weil ich den Kindern viel Raum für Gestaltung gelassen habe. Für zukünftige Durchgänge werde ich das anpassen etwa, indem wir statt drei nur zwei Gestaltungselemente nutzen oder bestimmte Programmschritte bereits vorbereiten. Das sind jeweils nur wenige Minuten, die sich aber summieren. Inhaltlich würde ich jedoch nichts verändern. Es geht wirklich nur um kleine organisatorische Feinjustierungen.
Wie wird das Erlebte in den Schulalltag zurückgetragen?
Dazu kann ich leider nur eingeschränkt etwas sagen, da das in der Verantwortung der Lehrkräfte liegt. Ich weiß jedoch, dass die Klassenlehrerin der KGS Untereicken den Workshop im Unterricht nachbereiten wird. Die Kinder werden das Erlebte gemeinsam reflektieren, auch mithilfe der Interviewfragen. Alles Weitere liegt dann bei der Schule selbst.
Auf welche weiteren Workshops können sich Kinder in Zukunft freuen?
Unser Angebot ist sehr vielfältig. Im MINT-Bereich arbeiten wir unter anderem mit sprechenden Bildern, kleinen programmierbaren Robotern, anderen Coding-Tools sowie mit sogenannten Heißdrahtspielen, bei denen Metallobjekte gebaut und elektronisch so programmiert werden, dass Geräusche ausgelöst werden. Darüber hinaus bieten wir in unserem Makerspace auch zahlreiche kreative Formate an, etwa Plotter-Partys, bei denen T-Shirts, Taschen oder Tassen gestaltet werden.
Ich selbst arbeite außerdem viel im institutionellen Bereich mit Schulen und Kitas zusammen von Bibliothekseinführungen über Recherchetrainings bis hin zu projektbezogenen Workshops. Unsere Angebote sind immer an die jeweilige Zielgruppe angepasst und entwickeln sich stetig weiter.
Was reizt Sie persönlich an dieser Arbeit?
Die Entwicklung ist über die Jahre gewachsen. Als MINT-Themen immer präsenter wurden, kamen auch die entsprechenden Tools in die Bibliothek und dann hieß es irgendwann: Sie sind doch Medienpädagogin, machen Sie doch mal etwas damit. Also habe ich begonnen, Konzepte zu entwickeln, und gemerkt, wie gut das funktioniert.
Ich bin offen für vieles, auch wenn ich mich nicht als klassische Bastlerin sehe. Mir liegt besonders die Einführung, das Erklären und das Vermitteln von Zusammenhängen. Es ist ein sehr erfüllender Beruf, weil man sieht, wie Kinder Neues entdecken, Selbstvertrauen entwickeln und merken: Ich kann das.












MedienWerkstatt* Schülerinnen-Betriebspraktikum – eine Initiative von Design-Campus in Kooperation mit der Stadtbibliothek Mönchengladbach.

