„Jede*r Fünfte ist betroffen.“ Diese Zahl macht gerade viele Schüler:innenvertretungen und Expert:innen alarmiert. Laut dem Deutschen Schulbarometer 2024 zeigt rund ein Fünftel der Schüler*innen zwischen acht und 17 Jahren Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Genau darüber wurde kürzlich auch im Politikum Podcast auf WDR 5 gesprochen. Die mentale Gesundheit junger Menschen ist nicht nur ein privates Problem, sondern betrifft Schule, Gesellschaft und sogar die Wirtschaft. Auch die Bundesschülerkonferenz greift das Thema auf. Auf ihrer Presse- und Bildungskonferenz steht die psychische Gesundheit von Schüler*innen im Mittelpunkt. Der Grund ist, dass sich Viele junge Menschen dauerhaft überfordert, gestresst oder allein gelassen fühlen. Schule wird dabei immer häufiger als Ort erlebt, der Druck verstärkt, statt aufzufangen. Warum das so ist, wie sich dieser Druck im Alltag anfühlt und wie sich das in echten Lebensgeschichten zeigt, beschreibt der folgende Bericht von Ida und Annika.

Die psychische Verfassung von Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Studien zeigen, dass immer mehr junge Menschen unter Symptomen wie Erschöpfung, Zukunftsängsten und depressiven Verstimmungen leiden. In diesem Zusammenhang rückt die Schule als zentraler Lebensbereich besonders in den Fokus.
Der schulische Alltag bringt zahlreiche mentale Belastungen mit sich: Leistungsdruck durch Noten und Prüfungen, hohe Erwartungen, der ständige Vergleich mit anderen sowie soziale Konflikte, Ausgrenzung oder Cybermobbing. All das kann die psychische Stabilität junger Menschen erheblich gefährden. Wenn man Jugendliche fragt, wie es ihnen geht, hört man oft dieselbe Antwort: Die Probleme sind da – aber sie werden nicht wirklich ernst genommen. Viele dieser Belastungen gelten mittlerweile als „normaler“ Teil des Schulalltags. Doch warum ist das so?
Ein großer Teil des Problems liegt im System selbst. Früher bedeutete Schule zwar ebenfalls Stress, doch es blieb mehr Zeit zum Durchatmen. Heute fühlt es sich eher wie ein 40-Stunden Job an, der nach Feierabend noch weitergeht – Hausaufgaben oder für die nächste Klausur lernen. Der Druck endet also nicht mit dem Schultag. Viele Jugendliche haben das Gefühl, nie wirklich abschalten zu können. Wenn schlechte Noten dazukommen oder die Angst vor der Zukunft wächst, entsteht ein Teufelskreis aus Stress, Schuldgefühlen und Erschöpfung. Selbst die Ferien bringen oft keine echte Erholung mehr, weil das schlechte Gewissen bleibt.
Hinzu kommt, dass Stress kaum noch als ernstzunehmendes Problem wahrgenommen wird. Durch soziale Medien und den ständigen Vergleich entsteht zusätzlich das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Viele Jugendliche fühlen sich mit ihren Sorgen allein gelassen und haben Angst, darüber zu sprechen – aus Sorge, nicht ernst genommen zu werden oder als „schwach“ zu gelten.Es wäre wichtig, Schule neu zu denken: weniger starrer Leistungsdruck, mehr Raum für Gespräche, echte Pausen und professionelle Unterstützung durch Schulpsycholog:innen. Im Jahr 2026 sollte es selbstverständlich sein, psychische Gesundheit genauso ernst zu nehmen wie körperliche. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.
Hallo ich bin 17 Jahre alt und meine Diagnose ist BPS – also Borderline Persönlichkeitsstörung.
Inwiefern beeinflusst deine mentale Gesundheit dein Leben und deinen Schulalltag?
Ich glaube vor allem beim Essverhalten und durch Stress,Hausaufgaben und Klausuren. Außerdem verpasse ich durch Therapie natürlich auch Unterricht, was ich dann Zuhause nachholen muss. Therapie und Psychologenplätze sind sehr knapp und Termine sind dadurch meistens während der Schulzeit. Was mich noch mal mehr Unterrichtsstoff verpassen lässt und noch der Leistungsdruck und also das ist mittlerweile nicht so nicht mehr so, aber auch Mobbing ist ein Thema gewesen. Als ich 12-16 Jahre alt war, wurde ich auch gemobbt.
Wie läuft dein Tag ab und inwiefern grenzt dich deine mentale Gesundheit dabei ein?
Also mittlerweile eigentlich wie bei allen anderen, weil ich auch gelernt hab, damit umzugehen. Also aufstehen, Zähne putzen fertig machen etc. früher konnte ich aber teilweise überhaupt gar nicht aufstehen, also einfach, weil mir die Kraft und die Motivation gefehlt hat. Hygiene wurde vernachlässigt aufgrund von Kraftlosigkeit und Antriebslosigkeit. Also da war es wirklich sehr, sehr schwierig, in den Tag zu starten. Mittags also auch während der Schulzeit wie ich ja grade eben schon gedeutet hab Therapien , Selbsthilfegruppen ,Hausaufgaben und so weiter. Und abends brauch ich dann meistens Skillketten.
Ich weiß nicht, ob ihr wisst, was das ist. Und alles für den nächsten Tag vorbereiten. Ich gehe auch oft sehr früh schlafen. Meistens so um 21:00 Uhr. Deswegen hab ich natürlich auch wenig Zeit für Freizeit Hobbys und dadurch wird es natürlich auch oft schlimmer.
Ändert oder verbessert sich etwas wenn keine Schule ist?
Also es ist generell, glaube ich entspannter für mich, weil ich einfach mehr Zeit für mich und meine Freunde und für meine Freizeit habe. Und ich sag mal auf das Wochenende bezogen, ich brauche das Wochenende auch tatsächlich, um Kraft zu tanken. Und damit ich halt die nächste Woche einfach mehr oder weniger überstehe.
Wie nehmen Sie als Lernpersonal, die zunehmend schlechte mentale Gesundheit Ihrer Schülerinnen und Schüler war?
Ich finde, dass sich immer mehr zeigt, dass Schüler/innen Schulangst entwickeln oder überhaupt eine Abneigung haben, irgendwie in die Schule zu kommen, weil sie meinen, dass sie einem unheimlichen Leistungsdruck ausgesetzt sind. Das finde ich ganz schlimm. Aber es zeigt sich auch anders, dass zum Beispiel wir immer mehr Kinder haben, die schon immer jünger in Therapien sind oder wie sich gerade in den fünften und sechsten Klassen herausstellt, dass immer mehr Kinder eigentlich mehr Unterstützung benötigen, weil sie nicht mehr so belastbar sind oder weil sie gar nicht mehr fähig sind Gefühle richtig zu deuten und sie vor allen Dingen zu regulieren.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie mitbekommen, dass es einem Schüler oder einer Schülerin mental nicht so gut geht?
Das kommt ganz drauf an. Erstmal, wenn ich die Klassenlehrerin bin und den Schüler oder die Schülerin länger kenne, dann spreche ich persönlich den Schüler oder die Schülerin an. Wenn es aber ein ein Person ist, die ich nicht gut kenne, bei welcher ich nur Fachlehrerin bin und auch gerade mal seit ein paar Monaten dann beobachte ich und spreche auf jeden Fall Lehrerkollegen an, von denen ich weiß, dass sie diese betroffene Person besser und länger kennen und gehe natürlich in den Austausch und je nachdem, wie akut ich die Situation einschätze, schalte ich auch die Schulsozialarbeiterin ein.
Falls dir alles über den Kopf wächst, kannst du dich jederzeit anonym online an die Jugendberatung der Caritas wenden oder die Nummer gegen Kummer Kontaktieren
Nummer gegen Kummer : 116 111
Außerdem haben wir ein paar links rausgesucht die euch evtl. helfen könnten
https://www.schoen-klinik.de/ueber-uns/schoen-klinik-beratung/praevention
