Kunsttempel

Die Institution Museum. Geschichte und Hintergründe

Zum Verständnis der Institution Museum ist es sinnvoll, sich zunächst mit der Geschichte und Entwicklung der Aufgaben des Museums zu beschäftigen. // von Elke Backes 

Vor welchem Hintergrund wurde das Museum eigentlich zur Bildungseinrichtung?

Der Ursprung der Museen ist in der meist fürstlichen Wunderkammer zu finden. Darin wird, ohne jegliches Ordnungssystem, alles an Kunst gesammelt, was wertvoll ist. Erst mit der Französischen Revolution wird es möglich, dass viele dieser Privatsammlungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Der gleichzeitige öffentliche Zugang zu zeitgenössischen Erkenntnissen der Wissenschaft trägt dazu bei, dass sich das Bürgertum zunehmend emanzipiert. Im 19. Jahrhundert kommt es daher in vielen Städten zu Museumsneugründungen.

Die sich parallel getrennt voneinander entwickelnden Geistes- und Naturwissenschaften, lassen in der Folge unterschiedliche Museumstypen entstehen. Das Durcheinander der Wunderkammer wird sortiert. Es entstehen Kunstmuseen, Techn. Museen, Völkerkundemuseen, etc. Das Museum wird zur Bildungseinrichtung.

Allerdings macht erst in den 1920er Jahren der damalige Leiter der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, erstmals auf Bildungsunterschiede innerhalb des Besucherpublikums aufmerksam. Die bisherige Präsentationsform setzt ein vorgebildetes Publikum voraus. Lichtwark fordert daher eine systematisch zu betreibende Museumspädagogik und schafft die Grundlage der Museumspädagogik, die wir heute kennen.

 Begriff und Aufgaben des Museums

Es gibt keinen geschützten Museumsbegriff, der Definition oder Aufgaben des Museums gesetzlich verankern würde. Es gibt lediglich die 1986 vom internationalen Museumsrat ICOM verfassten und weltweit anerkannten ethischen Richtlinien, die Auftrag und Aufgaben für die Museumsarbeit vorgeben. Die zentrale Aufgabe besteht demnach darin, das Verständnis für das Kulturerbe zu fördern. Zu diesem Zweck hat das Museum materielle Zeugnisse der Menschheit zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen, auszustellen und zu vermitteln. Darüber hinaus wird in diesen Richtlinien zum Ausdruck gebracht, dass das Museum eine gemeinnützige Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung ist.

Unterscheidungskriterien

Da Museum nicht gleich Museum ist, muss nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden. Neben der Unterscheidung nach Museumstypen, die sich in ihrer Ausrichtung grundsätzlich voneinander unterscheiden, unterscheiden wir innerhalb der Kunstmuseen weiterhin nach Museumssparten. Die Sparte ergibt sich aus dem jeweiligen Sammlungsschwerpunkt.

Weiterhin unterscheiden wir das Museum vom Ausstellungshaus, auch Kunsthalle genannt. Das Ausstellungshaus besitzt im Gegensatz zum Museum keine eigene Sammlung, so dass sich in der Folge unterschiedliche Präsentationsformen ergeben. Im Museum gibt es in der Regel eine Dauer- und eine Wechselausstellung, im Ausstellungshaus lediglich die Wechselausstellung. Der Unterschied besteht darin, dass in der Dauerausstellung die eigene Sammlung präsentiert wird. Die Präsentation der Kunstwerke erfolgt hier systematisiert nach Stilen, Schulen und Epochen. Die Werke werden somit in die Kategorien der bestehenden kunsthistorischen Forschung eingeordnet.

Die Wechselausstellung hat eine andere Ausrichtung. Dort werden neue Entdeckungen oder neu gewonnene Erkenntnisse der Kunstgeschichte vorgestellt. Dabei wird oftmals Bekanntes in einen neuen Kontext gestellt. Oft wird auch ein nahezu vollständiges Werkkonvolut eines einzelnen Künstlers präsentiert. Neben der Zusammenführung der Werke, die sich üblicherweise über viele verschiedenen Museen verteilen, wird bei der Wechselausstellung neu Entdecktes und somit zuvor auch nie Ausgestelltes in die Ausstellung miteinbezogen. Leihgaben aus anderen Museen oder von Privatsammlern ergänzen oft deren Präsentationsform.

Zwar keine Museumseinrichtung, aber eine immer mehr an Bedeutung gewinnende Präsentationsfläche für Kunst sind die Kunstmessen und Berlinalen. Derzeit gibt es 125. 105 sind allein in den letzten 25 Jahren entstanden.

Zuletzt unterscheiden wir die private und die öffentliche Trägerschaft. Innerhalb der privaten Trägerschaft gibt es immer mehr Museen von Privatsammlern, die ihre eigene Sammlung der Öffentlichkeit präsentieren. Wichtige Bemerkung  an dieser Stelle: Hier müssen nicht die ICOM-Standards erfüllt werden.

Entwicklungen

Das Institut für Museumsforschung erstellt alljährlich im Auftrag der Staatl. Museen Berlin, Preußischer Kulturbesitz statistische Gesamterhebungen an den Museen der BRD. Diesen Zahlen lässt sich entnehmen, dass seit 1990 die Anzahl der Museumsneugründungen, die Besucherzahlen und entsprechend die Anzahl der Ausstellungseröffnungen einen kontinuierlichen Anstieg verzeichnen.

Es stellt sich die Frage nach den wirtschaftlichen Konsequenzen, die eine solche Entwicklung nach sich zieht. Da alle Museen um Geld, Besucherzahlen und Aufmerksamkeit konkurrieren, lässt sich feststellen, dass seit Jahren nur auf Wachstum gesetzt wird: Mehr Museen, mehr Anbauten, mehr Ausstellungen. Das hat zur Folge, dass sich Museen zunehmend in der Geld-Besucherzahlen-Falle befinden.

Das doch eigentlich gemeinnützige, nicht kommerziell ausgerichtete Museum, muss nach dem kapitalistischen Modell des ständigen Wachstums arbeiten. Der hohe Kapitalbedarf bei gleichzeitig schrumpfendem Kulturetat hat zur Folge, dass das Museum zunehmend von der Unterstützung durch Museums- und Fördervereine, Stiftungen oder private Mäzene abhängig wird.

Trends

Bei der Beobachtung der aktuellen Situation lassen sich drei Trends ablesen. Den ersten Trend bestimmt die starke Gewichtung auf die Ausstellungsarchitektur. Um innerhalb der bestehenden musealen Landschaft auf sich aufmerksam zu machen, wird bei Museumsneubauten immer mehr auf eine starke Außenwirkung gesetzt.

Um ein möglichst breites Publikum ansprechen zu können, wird im Rahmen der Ausstellungskonzeptionen auf bekannte Publikumsmagneten gesetzt und damit der zweite Trend definiert.  Die sog. Publikumsmagneten werden meist von ihrem Wert am Kunstmarkt bestimmt. Regelmäßige Berichterstattungen über die neuesten erzielten Rekordpreise machen auf die entsprechenden Künstler und deren Werke aufmerksam und werden damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Nach dem Motto: Was teuer ist, muss gut sein, entscheidet sich der neugierige Besucher eher für eine solche Ausstellung, als für die mit einem für ihn unbekannten Künstler. Unbekannten Künstlern eine Ausstellung zu widmen, wird daher zunehmend zum Risiko.

Die Konsequenz der immer stärkeren Gewichtung auf die Wechselausstellung bestimmt den dritten Trend: Volle, überfüllte Wechselausstellungsräume, leere Dauerausstellungsräume.

 Fazit

Wir erinnern uns an dieser Stelle: Das Museum hat die Aufgabe, unsere kulturelle Vergangenheit und Gegenwart über die Medien der Kunst zu vermitteln. Was charakterisiert denn eigentlich unsere kulturelle Gegenwart? Und wie reagiert das Museum darauf?

Wir leben in einer Welt der ständigen Informations- und Bilderflut. Das totale Überangebot an Ausstellungen lässt uns hektisch werden, für welche wir uns denn nun am besten entscheiden sollen. Im Museum werden wir dann versorgt mit Audio-Guides und Headset oder Apps, um uns dann die aktuellen Forschungsergebnisse vorkauen zu lassen. Die dabei im Sprachstil des Kunsthistorikers verfassten Inhalte lassen uns oft schwindelig werden.

Um die zukünftigen Ansprüche an das Museum definieren zu können, stellen sich abschließend zentrale, zur Diskussion stehende Fragen:

1. Hat das Museum vielleicht einen ganz neuen Bildungsauftrag?

2. Brauchen wir das Museum als Eventplattform, das unserer Alltagserfahrung angepasst ist?

3. Ist es erforderlich, dass jeder Besucher zum Mini-Kunsthistoriker ausgebildet werden muss?

4. Oder ist es vielleicht Zeit für einen grundsätzlichen Wandel?

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