Die „rote Schleife“ fürs Internet

Täglich sterben 1.000 Menschen in Südafrika an Aids – rund 350.000 pro Jahr. Jeder zweite Todesfall ist ein Aids-Toter. Die rote Schleife steht international für den Kampf gegen HIV.

Ab 2014 wird es für Betreiber einer Internetseite die Möglichkeit geben neben den normalen URL-Endungen wie .de oder .com auch die Domain .hiv zu mieten. Sie soll zur roten Schleife im Internet werden und aktiv beim Kampf gegen das HIV-Virus helfen. standpunkt sprach mit Eva Hunger, die an dem Projekt mitarbeitete.

standpunkt — Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

eva hunger — Die Idee für dotHIV entstand, als ein Kreativteam der Werbeagentur thjnk 2009 pro bono an einer HIV-Kampagne für die Michael Stich Stiftung arbeitete. Dabei kam der Gedanke auf, etwas Nachhaltiges für das Thema tun zu wollen. Etwas, das nicht nach ein paar Tagen oder Wochen von den Plakatwänden und damit aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Die Idee, aus den Buchstaben HIV eine Domain-Endung zu machen, entstand aus einer ganz simplen Feststellung: es sind drei Buchstaben. Genau wie bei .com. Mit Philipp, Stefan und Martin – Mitgründer und bis heute aktive Teammitglieder – und dieser einfachen Erkenntnis begann dotHIV.

standpunkt — Wie hat sich das Projekt dann entwickelt? Von der Idee bis zur Top-Level-Domain- Eintragung?

eva hunger — Einer der entscheidenden Meilensteine für dotHIV war der Übergang von einer fixen Idee dreier Werber, zu einer eigenständigen Initiative. Diesen Meilenstein markiert die Gründung des dotHIV gemeinnütziger e.V. am 5. Dezember 2011. Ein weiterer ganz bedeutsamer Schritt war die Abgabe unseres Top-Level Domain Antrags am 24. Mai 2012. Über 200 Seiten ist dieser Antrag stark und hat 70 Anhänge, also ein ganzes Stück Arbeit. Umso größer war natürlich die Freude, als wir am 19. April dieses Jahres die positive Evaluierung erhalten haben. Nach fast einem Jahr des Wartens steht damit fest: wir haben die Lizenz für die TLD .hiv. Das war schon ein sehr gutes Gefühl.

Aber zwischen diesen großen Meilensteinen sind es vor allem die kleinen Schritte, die entscheidend sind und die Leute, die wir auf diesem Weg treffen. Inzwischen haben wir ein großartiges Netzwerk an Unterstützern, zu dem auch große Namen wie Google, Wikimedia, die Deutsche Aids-Hilfe und UNAIDS gehören. Da sind wir wirklich enorm stolz drauf. Auf Facebook haben wir fast 5500 Fans und über 400 Leute folgen uns auf Twitter. Das alles sind wesentliche Schritte auf dem Weg zum Erfolg.

standpunkt — Gab es einen Grund dafür, warum ihr das Projekt konkret für den Kampf gegen HIV und nicht gegen, sagen wir, Welthunger ausgerichtet habt?

eva hunger — Wie die Entstehungsgeschichte zeigt, war zuerst das Thema da und dann die Idee der Top-Level Domain. Daher hat sich die Frage nach der thematischen Ausrichtung nie wirklich gestellt.

Darüber hinaus sind wir uns sicher, dass jetzt der richtige Moment für die Initiative dotHIV ist. Dank großer Forschungserfolge im Bereich der Medikation, besteht das erste Mal in der Geschichte der HIV Epidemie eine sehr realistische Chance die Infektionskrankheit einzudämmen, Experten sprechen vom „Beginning of the End of Aids“. Allerdings machen sie auch ganz deutlich, dass noch einmal alle Kräfte zusammengenommen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Es braucht nicht nur neue finanzielle Mittel um diesen Kampf zu gewinnen, sondern auch neue Aufmerksamkeit für das Thema – und da sehen wir das große Potenzial von dotHIV.

standpunkt — Der Domain-Kauf einer .hiv-Domain für eine Website ist, wenn ich das richtig verstanden habe, ja nur der erste Schritt. Wie kann die Domain zum Kampf gegen HIV beitragen?

eva hunger — Der Kauf der Domain ist schon der entscheidende Schritt. Genauso wichtig ist natürlich, dass der Internetuser auch auf die .hiv Seiten klickt, die es gibt. Wir sagen ja ganz klar: „Jeder Klick zählt“! Das Geld, was wir durch den Vertrieb der Domain einnehmen, muss anschließend durch den User quasi „frei geklickt“ werden. Zum Kampf gegen HIV und AIDS trägt die Domain somit gleich auf vier unterschiedliche Arten bei.

1. Es werden neue Gelder generiert, die vor allem an kleine, zivilgesellschaftliche Initiativen vergeben werden.

2. .hiv Domains sind mentale Stolpersteine, die dem Thema HIV neue Sichtbarkeit verschaffen. Diesen Effekt verstärken wir durch Social Media- und Kampagnenarbeit.

3. .hiv Domains kämpfen gegen die Stigmatisierung, mit der HIV positive Menschen nach wie vor auf der ganzen Welt leben – das erreichen wir vor allem durch die Kooperation mit bekannten Firmen.

4. .hiv Domains schaffen einen eigenen, themengebundenen Namensraum im Internet und vereinen somit Organisationen, Initiativen und Aktivisten im Kampf gegen die Epidemie. Um diesen Effekt zu verstärken, erhalten HIV Organisationen ihre Domain kostenlos.

standpunkt — Wie wird den Menschen dann genau geholfen? Arbeitet .hiv mit Hilfsorganisationen zusammen?

eva hunger — dotHIV unterstützt Organisationen, die sich im Bereich HIV und Aids engagieren und bietet ihnen eine neue Infrastruktur im Internet. Das heißt, wir sind vor allem Dienstleister für HIV Organisationen und leisten selber keine „Feldarbeit“. Wir geben Organisationen die Möglichkeit, sich um gezielte Projektförderung zu bewerben, ohne großen bürokratischen Aufwand. Natürlich gibt es auch bei uns Hürden zur Überprüfung der Qualität der Projekte, schließlich soll das Geld ja sinnvoll verwendet werden. Zu dieser Überprüfung gehört die Erfüllung bestimmter Auswahlkriterien und Richtlinien, sowie das be- stehen des Checks durch ein Expertengremium.

Anschließend lassen wir dann die User entscheiden. Auf einer Plattform können Internetuser abstimmen, welche der vorgestellten Projekte durch dotHIV unterstützt werden sollen. Dadurch präsentieren wir dem User auch die Vielfalt an Hilfsprojekten, die es überall auf der Welt gibt.

 standpunkt — Wann werden wir unsere Websiten mit einer .hiv-URL ausstatten können?

eva hunger — Wir gehen davon aus, im Mai 2014 live gehen zu können. Die Vergabe einer neuen TLD ist in ein historisch einmaliges internationales Prüfungsverfahren eingebunden und ein langwieriger Prozess – mit uns müssen über 1.900 Anträge auf neue TLDs von der „DNS-Verwaltung“ ICANN geprüft werden. Jeder einzelne davon hat mehr als 200 Seiten. Das dauert seine Zeit. Ebenso ist es technisch nicht möglich, alle neuen Domain-Endungen an ein und demselben Tag online zu schicken. Aus diesem Grund können nur drei neue Endungen pro Tag online gehen – was das bei den erwarteten 1.400 neuen TLDs bedeutet, kann sich jeder ausrechnen.

Wir nutzen diese Zeit, um den Start von „.hiv“ umfassend vorzubereiten. Von den technischen Aspekten, über das Einbinden der internationalen HIV-Community, bis hin zur Vertriebsvorbereitung und dem Schaffen nötiger Aufmerksamkeit für unsere Initiative. Bis „.hiv“ online geht, bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, ihre Wunschadresse auf unserer Website www.dothiv.org/pre-register vorzubestellen. Die Vorregistrierung ist natürlich kostenlos und unverbindlich.

standpunkt — Wie stark wird das Internet zur Zeit genutzt um weltweite Probleme wie HIV in angriff zu nehmen?

eva hunger — Das lässt sich pauschal sehr schwer sagen. Es kommt stark auf das Thema und auch auf das Land an – schließlich ist Internet nicht überall auf der Welt so eine gut ausgebaute Ressource wie in Deutschland. Insgesamt wird es bisher eher klassisch für den Austausch bzw. die Vermittlung von Wissen und News genutzt. Gerade die junge Generation erreicht man heute ja vor allem durch Internetkampagnen und Ähnliches. Auch im Bereich des sozialen Engagements wird nicht nur die Homepage genutzt, sondern auch Kommunikationskanäle wie Youtu- be, Facebook oder Twitter werden immer mehr eingebunden. Ich glaube, immer mehr Organisationen und Initiativen erkennen das Potenzial, dass das World Wide Web bietet, um Gutes zu tun.

standpunkt — Wo siehst du das Projekt in 5 Jahren? Wird es für andere Probleme und Krankheiten ähnliche Endungen geben?

eva hunger — Unsere Wunschvorstellung für dotHIV in fünf Jahren sieht in etwa so aus: dotHIV hat mit der TLD .hiv die digitale Rote Schleife im Internet etabliert. Eine Vielzahl großer Konsumentenmarken nutzt die Domain-Endung .hiv als kreatives und gleichzeitig breitenwirksames Marketinginstrument mit sozialem Kern und eine stetig wachsende Zahl von Unternehmen folgt dem Beispiel. Im sozialen Feld HIV/Aids haben .hiv Adressen eine breite Bekanntheit als neues Unterstützungsinstrument erreicht, das neue Gelder und Aufmerksamkeit für die Arbeit an der Basis bringt. Darum arbeiten viele HIV/Aids Organisationen online ausschließlich mit einer .hiv Adresse.

Noch mehr Initiativen für Afrika auf : http://humboldtjourney.com/

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KOMMENTAR – COMMENT We flew to Spain for a few days in collaboration with Erasmus+ and here are just some cheesy thoughts about that journey for you…

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