Interview: „Ein Tipp an Erwachsene: Probieren Sie Medien aus!“

Schon früher haben wir über die Idee berichtet Handys und Smartphones aus dem Schulalltag zu verbannen. Den Kommentar von Linus zu diesem Thema findet ihr hier.
Aber was sagen eigentlich Fachleute zu Sätzen wie “Schule als smartphonefreie Zone”? Wir haben Experten des Medienkompetenzportals NRW gefragt, die sich bereit erklärt haben einige unserer Fragen schriftlich zu beantworten. Auf standpunktonline.com schreibt Dr. Meike Isenberg über Medien in der Schule, Lehrern mit Berührungsängsten und dem Austausch zwischen Schülern und Lehrern.

Wie bewerten Sie Handy- und Smartphone-Verbote an Schulen?

Handys sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken – auch Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte nutzen die mobile Kommunikation, was für den Schulalltag oftmals eine Herausforderung darstellt. Ein gänzliches (und vor allem unbegründetes) Verbot von Handys an Schulen gestaltet sich zum einen schwierig und zum anderen können Handys durchaus ein hilfreiches Instrument für beispielsweise aktive Medienprojekte an Schulen sein (z. B. Foto-, Video- und Aufnahmefunktion).

Um einen sinnvollen Umgang mit dem Handy im Schulkontext zu regeln, kann es sinnvoll sein, eine Handynutzungsordnung zu erarbeiten, die sowohl zeigt, was erlaubt und verboten ist, als auch Sanktionen bei Verstößen beinhaltet.

Besonders vielversprechend ist ein solches Vorhaben, wenn alle Beteiligten – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und auch die Eltern – ihre Sicht und Wünsche einbringen können. Wenn alle mitwirken, wächst die Akzeptanz für diesen gemeinsamen „Vertrag“. Die so erarbeitete Handynutzungsordnung sollte laufend auf Praktikabilität geprüft und bei Bedarf unter Einbezug aller Beteiligten aktualisiert werden.

Leider werden elektronische Hilfsmittel auch immer öfter als Spickmethode eingesetzt. Wie kann man dieses Problem mit einer sinnvollen Einbeziehung in den Unterricht vereinbaren?

Ganz unabhängig von der Frage des Spickens ist es sinnvoll, Handys kreativ im Unterricht einzusetzen. Hierdurch eröffnen sich Wege, über positive wie auch problematische Aspekte der Handynutzung ins Gespräch zu kommen, beispielsweise auch über rechtliche Fragen und finanzielle Fallen. Das Projekt „Handysektor“ bietet Schülerinnen und Schülern auf der Projektwebsite www.handysektor.de und mit den dort auch kostenlos bestellbaren Flyern „Apps to go / Smartphone, App & Satellit“, „Opfer, Schlampe, Hurensohn. Gegen Mobbing“ oder „Voll Porno“ viele Tipps und Informationen rund um das Thema Handy und Smartphone. Darüber hinaus richtet sich Handysektor mit den Unterrichtsmaterialien „Handy im Unterricht? – Na klar! Anregungen, Unterrichtsmaterial, praktische Tipps für die Sekundarstufe I und II” explizit an Lehrkräfte und bietet zahlreiche Ideen, zum Einsatz von Handy & Smartphone im Unterricht.

Viele Lehrer scheuen sich aufgrund eigener Unerfahrenheit noch davor ihren Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Wo kann man aus pädagogischer Sicht ansetzen, um eine bessere Beziehung zu dem Thema zu schaffen?

Jugendliche erscheinen oftmals vermeintlich fitter im Umgang mit digitalen Medien als manche Erwachsene. Was die Technik und Anwendung betrifft, ist dies häufig auch tatsächlich der Fall. Ließe man Jugendliche und Erwachsene gegeneinander in einem Wettbewerb antreten, wer am schnellsten eine SMS tippt, hätten die Jugendlichen wohl einen ordentlichen Vorsprung. Die Technik- und Anwendungskompetenz sagt jedoch wenig über die Fähigkeit aus, Medien, ihre Inhalte und Mechanismen zu durchschauen und kritisch einordnen zu können.

Gerade was den kritisch-reflektierenden Medienumgang betrifft, brauchen Jugendliche Unterstützung – was Unterricht hervorragend leisten kann.

Ein Tipp an Erwachsene, um etwaige Berührungsängste abzubauen: Probieren Sie Medien aus – testen Sie ein Online-Rollenspiel und ein „Ballerspiel“, schauen Sie sich Scripted-Reality-Sendungen im TV an, erfahren Sie die Kommunikation in Sozialen Netzwerken und verschaffen Sie sich ein eigenes Bild! Sie werden und müssen nicht alles toll finden, aber Sie werden einen Eindruck davon erhalten, was Jugendliche an diesen Medien(inhalten) fasziniert – und haben damit eine gute Basis, um über sowohl positive als auch problematische Aspekte ins Gespräch zu kommen. Und auch wenn es dem einen oder anderen vielleicht manchmal etwas schwer fällt: Erkennen Sie die Kompetenzen der Jugendlichen an und lassen Sie sich von ihnen erklären und zeigen, wie Medien oder bestimmte Anwendungen und Dienste funktionieren. Ihre Schüler werden es Ihnen danken, wenn sie auch einmal die Experten sein dürfen. Zudem können sich Lehrer so von dem vielfach erlebten Druck entlasten, sich in allen Bereichen vor den Schülerinnen und Schülern als Experte zu präsentieren. Durch den gegenseitigen Austausch können Lehrer und Schüler so gleichermaßen voneinander profitieren.

Was können Schulen tun, um mehr Medienkompetenz bei der Handy- und Smartphonenutzung zu vermitteln? In welchem Alter sollte es losgehen? Aus Schülersicht stellen wir fest, dass es auch Defizite im kompetenten Umgang mit Sozialen Netzwerken gibt. Was halten Sie von der Idee solche Problematiken im Unterricht zu thematisieren?

Was für Handy & Smartphone gilt, gilt letztlich auch für andere Medien und Anwendungen, wie Internet, Soziale Netzwerke oder Computerspiele: Auch hier ist es sinnvoll, diese Medien im Unterricht zu thematisieren oder einzusetzen. Da Internet, Computerspiele oder auch Soziale Netzwerke immer früher Eingang in das Leben von Kindern und Jugendlichen erhalten, empfiehlt es sich, mit einer altersgerechten Medienerziehung schon in der Grundschule zu beginnen. Es gibt vielfältige Angebote, die Lehrkräfte dabei unterstützen. Beispielsweise bietet die EU-Initiative „klicksafe“ unter dem Motto „Mehr Sicherheit im Internet durch Medienkompetenz“ viele praktische Informationen und Unterrichtsmaterialien für weiterführende Schulen zu Themen wie „Abzocke im Internet“, „Datenschutz“, „Cybermobbing“ oder „Computerspiele“. Wenn es um Informationen zu Rechtsfragen im Internet geht, empfiehlt sich die gemeinsame fortlaufende Themenreihe von klicksafe und iRight.info, die unter www.klicksafe.de/irights abgerufen werden kann. Auch die unter www.klicksafe.de/quiz eingestellten Online-Quizze für Jugendliche können im Unterricht eingesetzt werden. Alle Materialien stehen unter www.klicksafe.de/materialien zum kostenlosen Download zur Verfügung und können in gedruckter Fassung über die www.klicksafe.de bestellt werden. Das Internet-ABC (www.internet-abc.de) richtet sich speziell an 5- bis 12-Jährige, da bereits in der Grundschule wichtige Qualifikationen zum Einstieg ins Internet erfolgen. Einen anderen Ansatz verfolgt das Projekt „Medienscouts NRW“ (www.medienscouts-nrw.de): Hierbei werden Schülerinnen und Schüler im Schulkontext zu sogenannten „Medienscouts“ ausgebildet. Diese agieren anschließend selbst als Referenten, qualifizieren ihre Mitschülerinnen und Mitschüler und stehen als Ansprechpartner für Medienfragen zur Verfügung.

Zudem bietet es sich an, auch die Eltern durch medienbezogene Elternabende zu informieren.

Schulen können beispielsweise über die Initiative „Eltern und Medien“ (www.elternundmedien.de) der Landesanstalt für Medien NRW kostenlos qualifizierte Referentinnen und Referenten beziehen. Die EU-Initiative klicksafe stellt unter www.klicksafe.de/elternarbeit passende Materialien und Handreichungen für die Planung und Durchführung von medienbezogenen Elternabenden bereit.

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