Individuelle und handgefertigte Mode "von der Stange" zu fairen Preisen ist Mangelware bei Modeherstellern.

Warum ich Zara hasse!

Heute morgen bekam ich eine Email mit dem Betreff: „Ich hasse Zara“. Absender: Sarah Jane. Von selbiger werde ich für diesen Beitrag auch eine Schelte kassieren, denn eigentlich hatten wir uns darauf geeinigt, dem Textilgiganten keine Plattform mehr zu bieten. Ich musste mich beim Betrachten des September Lookbooks allerdings so arg aufregen, dass ich es an dieser Stelle noch einmal laut heraus posaunen muss: Ich hasse Zara auch.

Seit Jahren kämpft die spanische Inditex-Kette mit schweren Vorwürfen wegen schlechter Arbeitsbedingungen und sogar Sklavenarbeit: Zuletzt entdeckte eine Razzia in Buenos Aires Arbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in versteckten Nähwerkstätten Stunden über Stunden nähten. Warum aber sollte das Unternehmen etwas ändern, wenn steigende Umsätze für Profit in Milliardenhöhe sorgen und die Kaufbereitschaft trotz mieser Produktionsbedingungen nicht sinkt – ganz im Gegenteil. H&M hat gegen Zara keine Chance mehr.

Man könnte jetzt anmerken, dass H&M und Co nicht besser seien und vielleicht stimmt das teilweise sogar. Aber dort realisiert man mittlerweile immerhin, dass es so nicht weitergehen kann. Man zeigt guten Willen. Und Sauereien, die eine 1,4 Millionen hohe Geldstrafe rechtfertigen, fand man dort bisweilen nicht. Bei Zara allerdings schon. Das ist „next level“, wie meine kleine Schwester sagen würde. Wegen „sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen bei einem Zulieferer in Brasilien“ musste im vergangenen Jahr schließlich geblecht werden. Reue? Keineswegs.

Zara macht mich demnach fertig. Weil ich neidisch bin auf all jene, die diesen Rattenschwanz mir nichts dir nichts ausblenden können. Ja, ich hätte auch gern so einen schönen grauen Mantel für so wenig Bares. Ich bin fassungslos, weil selbst jene Zara anpreisen, denen ich ein bisschen mehr Grips und weniger Konsumblindheit zugetraut hätte. Wirklich. An dieser Stelle wiederhole ich mich:

Was ich mir wünsche, ist nicht mehr als ein bisschen mehr Sensibilität. Und ein bisschen mehr Gehirn. Denn wenn ich meinen Blick so durch die Bloggerlandschaft schweifen lasse, dann fällt mir auf, dass extrem viele junge und auch ältere Mädchen nicht eine Sekunde über den Rattenschwanz, der an einem Zara-Kauf automatisch mit dran hängt, nachdenken. Es geht überhaupt nicht darum, Modeketten wie diese komplett zu meiden, dazu stecken wir vermutlich so oder so schon viel zu tief in Konsum-Sumpf fest. Aber, bitte. Kein Mensch braucht 3 neue Zara-Pullis im Monat. Auch kein Blogger.

Ich hasse es, belehrt zu werden. Genau wie die meisten von uns und ihr sicher auch. Und ich mag hier auch nicht den Oberlehrer spielen, sondern bloß meine Meinung los werden. Dazu sind Blogs ja nunmal auch da. Aber wenn man nunmal ein Kleidungsstück von Zara trägt und es den Mädchen dort draußen auf dem Präsentierteller serviert, dann sollte man gleichermaßen für Aufklärung sorgen – damit am Ende jeder selbst entscheiden kann, ob die Inditex-Philosophie mit der eigenen kompatibel ist. „Die müssen sich selbst informieren“, ist kein gültiges Argument. Als Blogger übernimmt man Verantwortung. Punktendeaus.

P.S.: Zara ist nicht der einzige Buhmann, natürlich nicht. Leider machen’s die meisten so. Und auch ich selbst kaufe viel Mist. Dieser Artikel soll also kein gemeiner Fingerzeig sein, sondern ein Denkanstoß, der sich an uns alle richtet. Und wie in den Kommentaren bereits angedeutet wurde: Es ist eben auch eine Budget-Frage – Wobei selbst große Marken nicht vor fiesen Machenschaften zurück schrecken. Ich frage mich, wie man da überhaupt noch durchblicken soll. Deshalb gilt für mich: H&M, Cos, Topshop & Co: Ok. Aber nur in Maßen. Und liebes Zara-Team: Ändert doch mal was. Ich würde nämlich wirklich sehr gerne bei euch einkaufen.

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