Sorry, das klingt nach KI!

Zu perfekt, um menschlich zu sein

Ergeht es euch auch so? Es macht langsam keinen Spaß mehr, Texte zu lesen, ob in Nachrichten, Social Media Captions bis hin zu Referaten, Hausaufgaben und Arbeitsblättern in Schule und Uni. Alles liest sich so perfekt und maschinengeschrieben. Rechtschreibfehler gibt es kaum noch, selbst die Zeichensetzung ist korrekt und fast schon übertrieben dramatisch genutzt. Die komplizierteste deutsche Grammatik findet ihre Anwendung und sogar Leerzeichen und Wortabstände halten sich an Regel. Die Ausführlichkeit und Länge der Texte und Reden haben in den letzten beiden Jahren enorm zugenommen.

Kein Wunder, denn laut einer Analyse von Web-Inhalten sind im Jahr 2025 über 50 % aller neu veröffentlichten Online-Artikel von KI oder mit KI Hilfe geschrieben. Dabei sind Texte ohne menschliche Korrektur noch deutlich geringer als der Großteil, der von Mensch und KI zusammen erstellt wurde. Aber es gibt auch Datenquellen, die sagen, dass sogar mehr KI-Inhalte als menschliche Inhalte 2025 vertreten waren. Forscher sind sich auf jeden Fall sicher, dass sich dieserTrend fortsetzt.

Mit solchen Texten will man kaum noch Zeit verschwenden. Genau deshalb sehnen wir uns aus der Redaktion nach Texten mit Umgangssprache, komischen Formulierungen und auch mal ´nem Tippfehler. Texte bei denen man merkt, dass da ein Mensch und kein Algorithmus schreibt.

Rund 9 von 10 Lernenden verwenden KI in irgendeiner Form für ihre schriftlichen Arbeiten 2025, aber deutlich weniger geben zu, dass der Text direkt und unverändert aus einer KI stammt.

https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/ki-wird-vor-allem-fuer-hausaufgaben-genutzt

KI ist für viele Jugendliche ganz normaler Alltag. Laut JIM-Studie 2025 nutzen 74 % der 12- bis 19-Jährigen KI für Hausaufgaben oder zum Lernen. Vor einem Jahr waren es noch deutlich weniger. Dabei ist nicht das schnelle „Ich frag mal ChatGPT“ gemeint, sondern Aufgaben, die man im Schul- und Studienalltag auf bekommt. ChatGPT ist inzwischen neben Google das zweitwichtigste Recherche-Tool. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hält die Antworten von KI sogar für vertrauenswürdig. 67 % berichten, dass sie im letzten Monat Fake News gesehen haben. KI wird nämlich dann zum Problem, wenn sie Inhalte erzeugt, die erst mal logisch klingen, aber falsch sind. Um das zu erkennen braucht es Medienkompetenz und davon sind viele User noch ganz weit entfernt.

KI erklärt Mathe, fasst Geschichte zusammen, schreibt Bio-Referate aus. Gut vorbereitet wirken war nie so einfach.Klingt erstmal praktisch aber dabei werden Inhalte einfach übernommen, ohne sie wirklich zu verstehen oder zu prüfen. Mit der Zeit verliert man die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, Argumente abzuwägen und Fragen zu stellen.

KI-Texte zu erkennen ist schwer aber nicht unmöglich. Studien zeigen jedoch, dass die meisten Lehrkräfte oft nicht unterscheiden können, ob ein Text von einem Menschen oder von ChatGPT stammt.

Es gibt inzwischen viele KI-Detektoren, also Programme, die KI mit KI aufdecken sollen. Eigentlich kann man auch selber schnell erkennen, ob es die KI geschrieben hat oder es mit ihrer Hilfe geschrieben wurde. Die liebt nämlich Wiederholungen, ist vorsichtig, will gefallen und korrekt sein. Sie nutzt keine Umgangssprache oder Slang und kann auch keine spontanen Gedankensprünge oder Themenwechsel. Sie setzt Satzzeichen wie den langen Bindestrich oder den Doppelpunkt ein, um Inhalte dramatischer klingen zu lassen. Sie strukturiert gerne mit Aufzählungen und Zwischenüberschriften und einem Fazit. Ganz offensichtlich und blöd, wenn auch noch Emotijs und # von Usern 1:1 per Copy-Paste in die Social Media Captions oder Texte übernommen werden. Menschen schreiben einfach chaotischer, mit Fehlern und eigenem Stil. Um das zu erkennen, braucht man kein Detektoren-Programm. Manchmal reicht auch einfach eine mündliche Nachfrage zum Textinhalt bei dem jenigen, der ihn verfasst hat, um zu erkennen, ob er das Geschriebene selber formuliert hat und den Inhalt verstanden hat.

Aber was passiert mit Bildung, wenn Aufgaben von Maschinen erstellt werden und Antworten ebenfalls von Maschinen kommen?

Denn während Schüler KI für Hausaufgaben nutzen, lassen manche Lehrkräfte inzwischen Arbeitsblätter, Unterrichtsentwürfe und sogar Korrekturen von KI schreiben. Das ist angesichts des Lehrermangels und Mehrarbeit natürlich effizient.

Das Problem ist, dass so alle Beteiligten aufhören, selbst zu denken und zu formulieren. KI kann zwar helfen und erklären, aber wenn alles vorgekaut ist, beschäftigt man sich nur oberflächlich mit den Inhalten (wenn überhaupt) ohne Fragen zu stellen. Die Neugier und Kreativität bleibt auf der Strecke. In der Schule und Uni werden dann nur maschinell erstellte Texte ausgetauscht, die keiner behält. Und weil alles auch noch schnell generiert werden kann, steigt der Aufgabenmenge: Nachts produziert man Texte für Unterrichtsvorbereitungen, Hausaufgaben oder Klausuren und zum Prüfungstag spukt man sie wieder aus. Hängen bleibt da nichts, nur irgendwie ein Gefühl von „Lern- Bulimie“.

Schule im KI-Zeitalter sollte Möglichkeiten schaffen, in denen nicht die perfekte Antwort zählt, sondern der eigene kreative Weg dorthin. Zum Beispiel mit Texten, die zeigen wie sich jemand mit einem Thema auseinandersetzt, Fragen stellt, Fehler macht, daraus lernt und sich weiterentwickelt. Auch Lehrende sollten ihren Unterricht nicht vollständig von KI erstellen lassen, sondern Inhalte selbst durchdenken und an ihre Klassen anpassen. Auch die Persönlichkeit von Lehrern ist wichtig. Sie zeigt sich darin, wie sie ihre Schwerpunkte, Beispiele und Fragen stellen.
Wenn Unterrichtsvorbereitung aber nur noch automatisiert erfolgt, geht dieser menschliche Teil verloren und der ist verantwortlich für Motivation und Verständnis und den Lernerfolg.