„DJing ist wie Geschichten erzählen!“

Foto: Rimmi
Foto: Rimmi

DJ ist ein potenzieller Traumberuf – Platten auflegen, traumhafte Arbeitszeiten, das Hobby zum Beruf machen. Aber wie wird man eigentlich DJ? Und wie erlebt ein Profi-DJ seine eigene Musik?

standpunkt — Wer hatte am meisten Einfluss auf Deine DJ Karriere?

dj rimmi — Ich verbinde „Karriere“ mit großem Erfolg. Trotz meiner steigenden Bekanntheit würde ich es nicht „DJ Karriere“ nennen. Ich sehe meine Entwicklung in verschiedenen Bereichen, sowohl in den technischen als auch in den musikalischen Anforderungen.

Im technischen Bereich war Miro, auch als I.Dot oder Martial Irie bekannt, mein größter Mentor. Er hat mich einfach hinter die Decks gestellt, mir ein paar Platten in die Hand gedrückt und gesagt „spiel‘ mal“. Dabei hat er mich immer korrigiert und aufgefordert die eine oder andere Technik zu trainieren. Kurz darauf legte ich mir mein eigenes Equipment zu, um damit weiterzumachen.

Musikalisch, insbesondere auf Drum and Bass bezogen, hatten meine Freunde den größten Einfluss auf meine musikalische Richtung. Später war es ein Tune, der mich auf ein Subgenre konzentrieren lies: London Elekticity – Hanging Rock. Das hat mich für den etwas jazzigen Drum and Bass Sound, auch Liquid Drum and Bass oder Liquid Funk genannt, begeistern lassen. Darüber hinaus bin ich ein Mitglied der größten DnB community und des größten DnB Webradios der Welt: Bassdrive. Diese Community besteht aus diversen DnB-Djs, Produzenten, Labelinhabern, Promotern und Zuhörern aus aller Welt mit hohem Anspruch an Qualität! Mit Bassdrive behielt ich meinen Stil und vertiefte den „proper“ Sound von Drum and Bass.

standpunkt — Ist das immer noch so?

dj rimmi — Teilweise. Ich habe mich natürlich technisch als auch musikalisch weiter entwickelt, Bassdrive beeinflusst mich nach wie vor noch stark. Insbesondere die täglich neu erscheinenden Tunes inspirieren mich immer aufs Neue. Zur Zeit beeindrucken mich Djs und Produzenten wie, Detail, Skeptical, Roygreen & Protone, Ashatack, Random Movement, Break und die, die sich dem deepen und bösem Sound widmen.

standpunkt — Hat ein Mensch wie Du irgendwelche Idole?

dj rimmi — Mein Idol ist the mighty Dj Marky. Dj Marky schafft es einfach, das Publikum mit seiner Begeisterung und Freude anzustecken. Sei es in seinen Produktionen oder während er seine Sets spielt. Wenn mich jemand fragt, wer mein Lieblings DJ ist, sage ich immer kompromisslos „DJ Marky“, weil er einfach DER Drum and Bass Dj ist. Ich liebe es die Seele in der Musik zu spüren, daher gelten Künstler wie Sevin, Calibre, Mr Joseph, Dave Owen und Command Strange in dem Bereich ebenfalls zu meinen Idolen.

standpunkt — Wie erklärt sich Dein Stil – chilliger liquid Drum & Bass?

dj rimmi — „Chilliger liquid Drum&Bass“, klingt für mich erstmal witzig. Ich würde es eher als „Liquid funk“ bezeichnen. Ich würde es auch nicht mehr als „mein“ Stil bezeichnen, da ich subgenre-übergreifend spiele. Der Liquid Funk ist ein harmonischer Stil des Drum and Bass, der sich auf Stimmungen fixiert und den Zuhörer packt und mitreißt – einfach treibend. Genauer gesagt spielen dabei jazzige Elemente gepaart mit atmosphärischen Melodien zu den AmenBreaks eine bedeutende Rolle. Hier kann ich nur empfehlen sich S.P.Y – By Your Side anzuhören, um dieses Subgenre zu verstehen.

standpunkt — Welche Tipps kannst Du aufstrebenden DJs geben?

dj rimmi — Für mich ist DJing Handwerk, man spielt und bewegt die Platten, hört zu, korrigiert hier und da ein wenig und stellt sich auf das Publikum ein. Ich würde einem Anfänger empfehlen, sich hinter die Platten zu stellen um dieses Handwerk zu spüren. Man muss die Musik in den Händen halten und dann lernen damit umzugehen. Am Anfang ist das wegen des untrainierten Gehörs extremst anstrengend und frustrierend. Außerdem sollte man immer 100% geben – egal wo. Wichtig ist, dass man immer zeigt, warum man selber auf dieser Party spielt und nicht irgend jemand anders.

Besonderen Wert lege ich auf die Unterstützung von Künstlern, deren Musik ich spiele. Kauft euch die Musik, beklaut nicht diejenigen die ihr verehrt! Seid originell: schaut euch DJs an, die es drauf haben, guckt ihnen auf die Finger, lasst euch inspirieren aber kopiert auf keinen Fall! Ansonsten kann man mit den Zutaten wie Ambition, Geduld und Übung nichts falsch machen.

standpunkt — Was ist das Beste am DJing?

dj rimmi — Diese Frage ist für mich mit vielen Emotionen verbunden. Ich selbst empfinde die Musik nicht nur akustisch, ich erlebe sie sehr emotional und auch visuel. Wenn ich einen Tune finde, der mir gefällt, sehe ich in ihm eine gewisse Geschichte, ein Bild, das in mir Emotionen weckt. Das Aufregende beim DJing ist doch genau diese Sammlung von Emotionen, die man dann kombiniert, um kleine Geschichten zu erzählen. Und das, was mir persönlich Gänsehaut verschafft ist, wenn das Publikum dasselbe fühlt und der Funke übersprinkt.

standpunkt — Was war Dein bester beziehungsweise aufregendster Auftritt?

dj rimmi — Mein „aufregendster“ Auftritt war natürlich der erste in Bochum im Rahmen der Bassfalter Veranstaltung. Da hat u.a. auch Chris Sabian aufgelegt, der bei den größten Labels unter Vertrag steht. Ich spielte als Erster und zudem noch mit komplett fremden Equipment. Während der 90 Minuten Spielzeit habe ich die ersten 40 Minuten vor Aufregung so stark gezittert, dass ich nicht einmal vernünftig die Nadel auf die Platte legen konnte. Alles war fremd, alles war laut und ich stand mitten drin und war ziemlich überfordert. Doch Dank der Unterstützung meiner Freunde, die im Club mitgefiebert haben, hatte ich trotzdem eine Menge Spaß! Mein „bester“ Auftritt war in Salzburg in einem kleinen Schuppen namens „Soda Club“, mit der Veranstaltung „Bass Brause“. Diese Veranstaltung ist recht klein, aber die Menschen die zur Bass Brause gehen, sind herzlich und spüren die Musik. Bei diesem Gig hatte ich die intensivste Beziehung zum Publikum, die ich bisher gehabt habe.

standpunkt — Wo trittst Du lieber auf, im Club oder auf großen Veranstaltungen?

dj rimmi — Beides, solange sich das Publikum auf die Musik einstellen kann, die ich spiele. Hauptsache Anlage und der Bass stimmen.

standpunkt — Was hat jemand wie Du für Interessen oder Hobbies neben der Musik?

dj rimmi — Meine Leidenschaft neben der Musik ist die Medizin. Ich liebe es zu verstehen wie der menschliche Körper funktioniert und welche Prozesse dahinter stecken.

standpunkt — Hast Du eigentlich eine musikalische Ausbildung oder wie bist Du zur Musik gekommen?

dj rimmi — Außer, dass bei mir Musik 24 Stunden am Tag läuft, habe ich leider keine musikalische Ausbildung genossen. Ich habe einfach angefangen, Musik zu hören.

 standpunkt — Was hätte für Dich Priorität: bei großen Schallplattenfirmen „gesigned“ zu sein und Dich vermarkten zu lassen oder alles unter einer eigenen Firma und Label zu produzieren?

dj rimmi — Loyalität und Qualität gehören zumeinen Prinzipien. Große Labels unterstützen zwar die Bekanntheit und deinen finanziellen Gewinn, aber sie unterstützen nicht immer die Qualität des Künstlers wenn er seinen Stil nach dem Mainstream ausrichten muss. Daher würde ich die Zusammenarbeit mit kleineren Labels bevorzugen und die „Drum and Bass family“ mit guter Musik unterstützen und dabei lieber auf das große Geld verzichten.

standpunkt — Du bist ja in einigen Städten unterwegs. Was sind denn Deine Tipps und Hotspots?

dj rimmi — In Deutschland kann ich nur die Veranstaltungsreihe „Basswerk¡ im Gebäude 9 in Köln empfehlen. Die Veranstalter legen großen Wert auf qualitative Bookings und einen vernünftigen Sound sodass zum Beispile die Scheiben der umgebenden Gebäuden nicht scheppern. Hotspot und mein absoluter Favorit ist die SunAndBass in San Teodoro auf Sardinien. Dies ist ein jährliches Wiedersehen der gesamten Drum and Bass Familie und dauert über eine Woche. Für mich ist es ein Drum and Bass Paradies.

standpunkt — Worin liegt die Zukunft der Dance Music?

dj rimmi — Die Musik ist im ständigen Wandel aber die Kreativität leidet auch unter dem kommerziellen Druck. Leider bestimmt auch hier wie in der Wirtschaft die Nachfrage das Angebot. Was Drum and Bass betrifft, so stelle ich fest, dass diese Richtung auch von Popkünstlern genutzt wird – allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Daher sieht die Zukunft für die „Drum and Bass Heads“ ziemlich vielversprechend aus.

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