„Es wäre so schön gewesen…“

…aber jetzt erst recht!“ so gehen die Macher* des jungen potpourri festivals mit ihrer großen Enttäuschung um, krempeln die Ärmel hoch und verlegen ihr Festival kurzfristig an einen anderen Ort (unten weiterlesen: Interview mit Ulla Heinrich). Wie geht man damit um, wenn ein Jahr unzählige Vorbereitungstreffen, wochenlange Renovierungsarbeiten und schlaflose Nächte mit Nachtschichten, die sich auf einen ganz besonderen Ort konzentriert haben, scheinbar umsonst waren, weil zwei Tage vor dem lang ersehnten Event, das Bauordnungsamt die Genehmigung für die Veranstaltungsräume nicht erteilt? Jeder professionelle Veranstalter hätte den Event abgesagt, einen Störer auf seine Poster geklebt und die Tickets ausbezahlt. Danach hätten sich die Anwälte um die Angelegenheit gekümmert.

Aber das unterscheidet hartes, profitgesteuertes Musikgeschäft von leidenschaftlichem Ehrenamt. Und das in einer scheinbar ausweglosen Situation ein Verein mit seinen ehrenamtlichen Mitgliedern und den Festivalhelfern den Event doch noch stattfinden lassen kann, spricht für den Teamgeist und das unglaubliche Engagement, was hinter dem Festival steckt. Krisenmanagement vom Feinsten ist das, was das potpourri Team da erfolgreich gemanagt hat, als das Bauordnungsamt die Durchführung der Veranstaltung in den Räumen des alten Kolpinghauses wegen nicht behobener Mängel durch den Vermieter verwehrte. Sicher eine nachhaltige Erfahrung für alle Teilnehmer in den sicherheitsrechtlichen Bereichen der Eventplanung.

Wir haben uns noch einmal von den Organisatoren des Festivals durch die Räume des alten Kolpinghauses führen lassen und mit ihnen gesprochen. Die Wehmut und der Verlust der Traumlocation hing noch in den Räumen, die wahrscheinlich jetzt im Dornröschenschlaf verfallen. Dafür ging es aber um so optimistischer und lebhafter im neuen Ausweichquartier zu:

(Film: Max Zdunek, Fotos: Nikolas Proksch)

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Alexander Falk, Ulla Heinrich und Linus Bahun im Interview

Mitschnitt aus dem Interview:

Alex: Es gab einige Anfangsschwierigkeiten: 

Ulla: Ja, wir mussten unsere Location wechseln. Das ist uns vorher noch nie passiert, aber wir haben die Krise überstanden. Wir haben zwei tolle Partner, mit denen wir schon lange arbeiten: das Projekt 42 und das Rossi. Wir haben dann kurzfristig gefragt, ob wir da rein dürfen und sie haben spontan „ja“ gesagt und ihre Sachen für uns total verschoben. Dann haben sie mit uns in den letzten anderthalb Tagen das hier gewuppt.

Linus: Wo ist der Unterschied zwischen der alten und der neuen Location? 

Ulla: Man könnte, wenn man jetzt traurig auf die Sache schaut sagen, dass es unser Konzept in der Form nicht mehr gibt, weil wir gesagt haben „Jugendkultur unter einem Dach“  und danach hier zwei Wochen lang die Ausstellungen unserer sieben Künstlerinnen und Künstler aufgebaut. Und die waren auch echt geknickt, ich kann das echt verstehen. Weil die Idee war ja  sozusagen: der Besucher kommt hier rein, kann die Ausstellungen sehen, kann Musik hören… Wir hätten auch die Mini-Ramp hier vor der Tür gehabt… die Bildungsstände. Das wäre natürlich alles aus einem Guss gewesen und das haben wir jetzt auseinandergezogen.

Alex: Werden die ausgefallenen Acts nachgeholt? 

Ulla: Genau, wir haben da auch schon ein Termin: den 12.-14. Juni haben wir schon klar gemacht. Da werden wir dann unsere Ausstellungen nachholen und die Singer-Songwriter werden auch auftreten. Dann machen wir sozusagen einen Teil II wo der Schwerpunkt auf der Kunst liegt, aber wo trotzdem eine Veranstaltung drum herum gestrickt wird.

Alex: Habt ihr schon eine Idee wie b.z.w. wo das Festival nächstes Jahr geplant wird?

Ulla: Im Moment sind wir darauf aus, dass diese Veranstaltung zu Ende geht, denn wir haben jetzt echt ganz schön was durchgemacht. Wir haben uns jetzt ein Jahr lang intensiv darauf vorbereitet. Die letzten Wochen und Monate waren wirklich krass. Auch für den Nachwuchs. Wir wissen gar nicht, was wir nächstes Jahr machen. „Altes Kolpinghaus ist für uns der ideale Ort und dieser ist jetzt für uns gestorben und ich sehe in Gladbach immer dieses Raumproblem: wo soll man Veranstaltungen dieser Größenordnungen, die auch einen gewissen Anspruch haben, durchführen? Ich sehe es nicht – ich weiß nicht wo!

Alex: Ist das „Alte Kolpinghaus“ noch zu retten?

Ulla: Das weiß ich nicht. Die Situation war ja schon immer ein bisschen wage. Ich kann’s dir nicht sagen.

Alex: Das Besondere in diesem Jahr sind die überregionalen Headliner „The Tips“ und „Von wegen Lisbeth“.

Ulla: Ja wir haben beide Bands vorher auch live gesehen. „Von wegen Lisbeth“ hab ich in Dresden geguckt und der „Nachwuchs“ in Dortmund. Und ja, wir denken, dass „Von wegen Lisbeth“ von ihrer Größe und auch von ihrer Attitüde her halt extrem gut zu uns passen. Ihr habt ja bestimmt mitbekommen, dass wir gegen die noch eine Wette bei Mario Kart gespielt haben, leider verloren. Und jetzt durfte ich den Jungs noch fünf Massageplätze im Massagestudio reservieren – super schwer noch einen Termin zu bekommen.

Die Band hat eine beeindruckende Selbstironie und nehmen alles mit Humor. Das ist auch total wichtig, denn das ist auch einer meiner Bildungsaspekte. Die Jugendlichen, die das Potpourri organisieren, sollen auf der einen Seite mega was reißen, total engagiert sein, aber sich niemals selbst zu ernst nehmen – das ist ganz ganz wichtig. So und da passen „Von wegen Lisbeth“ natürlich super rein.

Linus: Wer unterstützt das Potpourri-Festival?

Ulla: Man muss wirklich sagen, dass wir dieses Jahr ganz viel Unterstützung erfahren haben. Also gerade unsere Sponsoren haben nochmal ordentlich was drauf gepackt und das war wirklich toll! Ich hab ja mit den Kids aus dem Team die Sponsorengespräche geführt. Und das war teilweise wirklich überraschend welche Wertschätzung der Jugendkultur gegenüber vorhanden ist. Und auch gegenüber der Arbeit von HORST, wo man auch sagt, dass wenn wir solche Sachen machen, die anderen dann auch am Start sind.

Linus: Glaubst du Gladbach hat den HORST-Knall gehört?

Ulla: Ich denke schon. Es gibt ja jetzt auch eine Förderfond-freie Szene und ich glaube, das ist kein Zufall! Und das ist auch richtig so! Das ist aber nur ein guter Anfang.

Linus: Hat sich Potpourri verändert dadurch dass es das HORST – Festival nicht mehr gibt? Ist es jetzt größer geworden? 

Ulla: Ja auf jeden Fall. Ihr müsst euch vorstellen, dass ganz viele Horst-Helfer jetzt hier sind. Sie haben ja alle keine „Heimat“ mehr. Also Horst ist ja auch ein Netzwerk und eine Familie. Ein Haufen aus verrückten Leuten, die sich gerne mit total viel Aufwand irgendwo treffen, um eine gute Zeit zu haben und das ist jetzt natürlich das Potpourri!

Linus: Vielen Dank Ulla für das Gespräch!

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 #wirsindmehr muss mehr als nur ein Hashtag sein. Bands wie Kraftklub und K.I.Z. geben am Montag in Chemniz ein Gratiskonzert. Sie wollen ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Unter dem Motto #wirsindmehr formiert sich auch im Netz der Protest gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit. Es ist ein Aufruf zur Solidarität gegen rechte Hetze. Dazu müssen sich alle im realen…