IMG_4581

„Es wäre so schön gewesen…“

…aber jetzt erst recht!“ so gehen die Macher* des jungen potpourri festivals mit ihrer großen Enttäuschung um, krempeln die Ärmel hoch und verlegen ihr Festival kurzfristig an einen anderen Ort (unten weiterlesen: Interview mit Ulla Heinrich). Wie geht man damit um, wenn ein Jahr unzählige Vorbereitungstreffen, wochenlange Renovierungsarbeiten und schlaflose Nächte mit Nachtschichten, die sich auf einen ganz besonderen Ort konzentriert haben, scheinbar umsonst waren, weil zwei Tage vor dem lang ersehnten Event, das Bauordnungsamt die Genehmigung für die Veranstaltungsräume nicht erteilt? Jeder professionelle Veranstalter hätte den Event abgesagt, einen Störer auf seine Poster geklebt und die Tickets ausbezahlt. Danach hätten sich die Anwälte um die Angelegenheit gekümmert.

Aber das unterscheidet hartes, profitgesteuertes Musikgeschäft von leidenschaftlichem Ehrenamt. Und das in einer scheinbar ausweglosen Situation ein Verein mit seinen ehrenamtlichen Mitgliedern und den Festivalhelfern den Event doch noch stattfinden lassen kann, spricht für den Teamgeist und das unglaubliche Engagement, was hinter dem Festival steckt. Krisenmanagement vom Feinsten ist das, was das potpourri Team da erfolgreich gemanagt hat, als das Bauordnungsamt die Durchführung der Veranstaltung in den Räumen des alten Kolpinghauses wegen nicht behobener Mängel durch den Vermieter verwehrte. Sicher eine nachhaltige Erfahrung für alle Teilnehmer in den sicherheitsrechtlichen Bereichen der Eventplanung.

Wir haben uns noch einmal von den Organisatoren des Festivals durch die Räume des alten Kolpinghauses führen lassen und mit ihnen gesprochen. Die Wehmut und der Verlust der Traumlocation hing noch in den Räumen, die wahrscheinlich jetzt im Dornröschenschlaf verfallen. Dafür ging es aber um so optimistischer und lebhafter im neuen Ausweichquartier zu:

(Film: Max Zdunek, Fotos: Nikolas Proksch)

IMG_4603

Alexander Falk, Ulla Heinrich und Linus Bahun im Interview

Mitschnitt aus dem Interview:

Alex: Es gab einige Anfangsschwierigkeiten: 

Ulla: Ja, wir mussten unsere Location wechseln. Das ist uns vorher noch nie passiert, aber wir haben die Krise überstanden. Wir haben zwei tolle Partner, mit denen wir schon lange arbeiten: das Projekt 42 und das Rossi. Wir haben dann kurzfristig gefragt, ob wir da rein dürfen und sie haben spontan „ja“ gesagt und ihre Sachen für uns total verschoben. Dann haben sie mit uns in den letzten anderthalb Tagen das hier gewuppt.

Linus: Wo ist der Unterschied zwischen der alten und der neuen Location? 

Ulla: Man könnte, wenn man jetzt traurig auf die Sache schaut sagen, dass es unser Konzept in der Form nicht mehr gibt, weil wir gesagt haben „Jugendkultur unter einem Dach“  und danach hier zwei Wochen lang die Ausstellungen unserer sieben Künstlerinnen und Künstler aufgebaut. Und die waren auch echt geknickt, ich kann das echt verstehen. Weil die Idee war ja  sozusagen: der Besucher kommt hier rein, kann die Ausstellungen sehen, kann Musik hören… Wir hätten auch die Mini-Ramp hier vor der Tür gehabt… die Bildungsstände. Das wäre natürlich alles aus einem Guss gewesen und das haben wir jetzt auseinandergezogen.

Alex: Werden die ausgefallenen Acts nachgeholt? 

Ulla: Genau, wir haben da auch schon ein Termin: den 12.-14. Juni haben wir schon klar gemacht. Da werden wir dann unsere Ausstellungen nachholen und die Singer-Songwriter werden auch auftreten. Dann machen wir sozusagen einen Teil II wo der Schwerpunkt auf der Kunst liegt, aber wo trotzdem eine Veranstaltung drum herum gestrickt wird.

Alex: Habt ihr schon eine Idee wie b.z.w. wo das Festival nächstes Jahr geplant wird?

Ulla: Im Moment sind wir darauf aus, dass diese Veranstaltung zu Ende geht, denn wir haben jetzt echt ganz schön was durchgemacht. Wir haben uns jetzt ein Jahr lang intensiv darauf vorbereitet. Die letzten Wochen und Monate waren wirklich krass. Auch für den Nachwuchs. Wir wissen gar nicht, was wir nächstes Jahr machen. „Altes Kolpinghaus ist für uns der ideale Ort und dieser ist jetzt für uns gestorben und ich sehe in Gladbach immer dieses Raumproblem: wo soll man Veranstaltungen dieser Größenordnungen, die auch einen gewissen Anspruch haben, durchführen? Ich sehe es nicht – ich weiß nicht wo!

Alex: Ist das „Alte Kolpinghaus“ noch zu retten?

Ulla: Das weiß ich nicht. Die Situation war ja schon immer ein bisschen wage. Ich kann’s dir nicht sagen.

Alex: Das Besondere in diesem Jahr sind die überregionalen Headliner „The Tips“ und „Von wegen Lisbeth“.

Ulla: Ja wir haben beide Bands vorher auch live gesehen. „Von wegen Lisbeth“ hab ich in Dresden geguckt und der „Nachwuchs“ in Dortmund. Und ja, wir denken, dass „Von wegen Lisbeth“ von ihrer Größe und auch von ihrer Attitüde her halt extrem gut zu uns passen. Ihr habt ja bestimmt mitbekommen, dass wir gegen die noch eine Wette bei Mario Kart gespielt haben, leider verloren. Und jetzt durfte ich den Jungs noch fünf Massageplätze im Massagestudio reservieren – super schwer noch einen Termin zu bekommen.

Die Band hat eine beeindruckende Selbstironie und nehmen alles mit Humor. Das ist auch total wichtig, denn das ist auch einer meiner Bildungsaspekte. Die Jugendlichen, die das Potpourri organisieren, sollen auf der einen Seite mega was reißen, total engagiert sein, aber sich niemals selbst zu ernst nehmen – das ist ganz ganz wichtig. So und da passen „Von wegen Lisbeth“ natürlich super rein.

Linus: Wer unterstützt das Potpourri-Festival?

Ulla: Man muss wirklich sagen, dass wir dieses Jahr ganz viel Unterstützung erfahren haben. Also gerade unsere Sponsoren haben nochmal ordentlich was drauf gepackt und das war wirklich toll! Ich hab ja mit den Kids aus dem Team die Sponsorengespräche geführt. Und das war teilweise wirklich überraschend welche Wertschätzung der Jugendkultur gegenüber vorhanden ist. Und auch gegenüber der Arbeit von HORST, wo man auch sagt, dass wenn wir solche Sachen machen, die anderen dann auch am Start sind.

Linus: Glaubst du Gladbach hat den HORST-Knall gehört?

Ulla: Ich denke schon. Es gibt ja jetzt auch eine Förderfond-freie Szene und ich glaube, das ist kein Zufall! Und das ist auch richtig so! Das ist aber nur ein guter Anfang.

Linus: Hat sich Potpourri verändert dadurch dass es das HORST – Festival nicht mehr gibt? Ist es jetzt größer geworden? 

Ulla: Ja auf jeden Fall. Ihr müsst euch vorstellen, dass ganz viele Horst-Helfer jetzt hier sind. Sie haben ja alle keine „Heimat“ mehr. Also Horst ist ja auch ein Netzwerk und eine Familie. Ein Haufen aus verrückten Leuten, die sich gerne mit total viel Aufwand irgendwo treffen, um eine gute Zeit zu haben und das ist jetzt natürlich das Potpourri!

Linus: Vielen Dank Ulla für das Gespräch!

Ist Europa nicht mehr ‚cool’?

Ist Europa nicht mehr ‚cool’?

Als man am 1. Januar 2002 ein erstes und letztes Mal mit D-Mark und Euro bezahlen konnte, war auch im hintersten Winkel Deutschlands das Thema Europa angekommen. Vor 15 Jahren haben sich Jugendliche in Deutschland noch eher als Europäer, und weniger als Deutsche beschrieben. Die heutigen Jugendlichen haben eine ganz andere Einstellung zu Europa.

Postfaktisch: Risiko ‚Wahrnehmung‘

Postfaktisch: Risiko ‚Wahrnehmung‘

In Zeiten eines baldigen US-Präsidenten Donald Trump, eines Ausstieges Großbritanniens aus der EU – dem „Brexit“ – und des weiteren Aufstieges unheimlicher Geister in aller Welt kann einem schon flau im Magen werden. Auch beim Journalistentag 2016 des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) NRW im Duisburger Landschaftspark Nord herrschte dieser Tenor: Der Vorsitzende Frank Stach eröffnete…

Ein Tag der Spaltung

Ein Tag der Spaltung

Die Wahlnacht ist das herbe Ende eines zermürbenden Wahlkampfes. Es wäre nicht übertrieben, den Tag als eine tiefe Zäsur für die Welt zu beschreiben. Damit ist auch der 9. November um ein historisches Datum reicher. Heute vor 27 Jahren fiel die Mauer in Berlin. Hoffnung und Erleichterung verbinden sich mit dem Tag, an dem sich…

Ho Chi Minh lässt grüßen

Ho Chi Minh lässt grüßen

Vietnam ist ein Land voller Kontraste. Zwar wehen noch die roten Fahnen aber der Übergang von Marx zu Money ist nicht zu übersehen. Einstige Schlachtfelder der Revolutionen und Kriege sind zu touristischen Schauplätzen geworden. Vietnam und Kambodscha zählt zu den spannendsten Regionen Asiens, die es neu zu entdecken lohnt. Beeindruckend sind die Zeugnisse großer Kulturen, die…

Russlands Jugend im Wandel der Zeit

Russlands Jugend im Wandel der Zeit

Jugendliche in Russland kennen die Sowjetära nur noch aus Erzählungen. Die heutige Generation ist geboren in einer Zeit des Umbruchs. Die 90er Jahre unter dem ersten demokratischen Präsidenten Boris Jelzin brachten viel Veränderung und einige offene Fragen. Was macht Russland im 21. Jahrhundert aus? Welche Werte prägen die Gesellschaft der aktuellen Putin-Ära?

Flüchtlinge im Klassenraum – Gelingt eine Inklusion?

Flüchtlinge im Klassenraum – Gelingt eine Inklusion?

Die wachsende Zahl von Zuwanderern aus Kriegsgebieten wie Syrien oder dem Irak haben die deutsche Gesellschaft spätestens seit dem massiven Anstieg im Spätsommer 2015 vor eine gewaltige Herausforderung gestellt. 441.899 Erstanträge zählt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für 2015, bis zum August 2016 kommen weitere 564.506 dazu. Der Flüchtlingszuzug fordert die Deutschen in…

Credits auf Kredit?

Credits auf Kredit?

Die Hausarbeit gegen Bezahlung? Das Geschäft mit den arbeitsaufwändigen studentischen Leistungsnachweisen ist nicht neu. Sogenannte Ghostwriter sind nicht nur in der Literaturszene oder Politik unterwegs, sie werden auch immer öfters von Studenten in Anspruch genommen. Ist eine fremd geschriebene Hausarbeit überhaupt legal? Kann sich da nicht jeder seine Studienleistung erkaufen, der zwar nicht studierfähig ist, aber genug Geld hat? Was…

standpunkt magazin zum download

standpunkt magazin zum download

Willkommen im standpunkt Magazin! In der diesjährigen Standpunkt Ausgabe präsentieren wir auf 144 Seiten einen dreidimensionalen Raum, der Platz für junges Denken schafft. 9qm Ausstellungsfläche für kulturelle und gesellschaftliche Themen — 9qm zum Kritisieren, Philosophieren und Entdecken. Unser Raum ist virtuell aber nicht zwangsläufig digital.

Habt Ihr schon zugestimmt?

Habt Ihr schon zugestimmt?

Und den Button bei den neuen Nutzungsbedingungen von Whatsapp gedrückt oder doch noch beim Runterscrollen des Kleingedruckten gezögert? Wir haben für Euch mal das Kleingeschriebene GROSS geschrieben: „Damit wir unsere Dienste betreiben und bereitstellen können, gewährst du WhatsApp eine weltweite, nichtexklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen (einschließlich der Inhalte), die du auf bzw. über…

„Ich lese keine Comics. Das sind Graphic Novels“

„Ich lese keine Comics. Das sind Graphic Novels“

In den Feuilletons deutscher Zeitungen sind Graphic Novels mittlerweile unverzichtbar und auch die großen Verlagen haben sie für sich entdeckt. standpunkt empfiehlt Grafic Novels als Lektüre – nicht nur für den Strand!

Was ist Dein Abi wirklich wert?

Was ist Dein Abi wirklich wert?

Nach zwölf oder dreizehn Jahren Schule halten in diesen Wochen viele Schülerinnen und Schüler voller Stolz ihr Abiturzeugnis in den Händen. Über ein Viertel von ihnen hat ein Einser-Abitur hingelegt und stellt sich jetzt die Frage, was sie mit so einem wertvollen Abitur anfangen können. Die Anzahl der Abiturienten hat sich in den letzten zehn…

„Tu jest Polska – Hier ist Polen“

„Tu jest Polska – Hier ist Polen“

Westlichen Werte wie Liberalismus, Toleranz, Gleichberechtigung scheinen angesichts der derzeitigen Schlagzeilen der national-konservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) auf Rassismus, Ignoranz, Engstirnigkeit zu treffen – so jedenfalls deuteten Parlamentsvorsitzende und EU-Kommissare die Entwicklung in Polen. Standpunkt möchte die aktuelle Warnung des Europaparlament (13.4.2016) vor einer Gefahr für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit zum Anlass nehmen, das…

Zum Semesterstart: So lernst du besser auswendig!

Zum Semesterstart: So lernst du besser auswendig!

Studium — das bedeutet Freiheit, neue Eindrücke und Erlebnisse, die du nie vergessen wirst! Neben den vielen spannenden Erfahrungen, die ein Studium mit sich bringt, gibt es auch einige Dinge, die kaum jemand am Uni-Alltag mag. Dazu gehört zum Beispiel das Auswendiglernen von Zahlen, Fakten oder Gesetzespassagen. Egal ob in Psychologie, Medizin, Jura, Natur- oder Geisteswissenschaften: oft…

435 Filme in 11 Tagen

435 Filme in 11 Tagen

Man sollte nicht nur das sehen, was sich auf dem roten Teppich präsentiert! Auf der Berlinale, dem grössten Publikumsfilmfestival der Welt, wird eine Menge gezeigt, was Aufmerksamkeit erregt. Aber gerade hinter den Kulissen und auf den kleineren Leinwänden sprießen die Ideen zu neuen Erzähl- und Darstellungsformen des Films. Ein 3:37 Minuten Handy Video wird zum 93 Minuten „Stop Motion Hörspiel“ und erhält gerade auf…

„Ein Kunststudium verändert den Menschen“

„Ein Kunststudium verändert den Menschen“

So Tony Cragg, Rektor der Kunstakademie, die zum alljährlichen Rundgang gerade wieder ihre Türen öffnete. Der Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf ist mittlerweile ein Kunstevent geworden, das jedes Jahr mehr als 40.000 Besucher anzieht. Ein bunt gemischtes Publikum von Kunstliebhabern, Sammlern, Galeristen aber auch Kunstschaffenden, Kreativen und Kunstkursen umliegender Schulen schlendert  durch die breiten und hohen…