„Musik ist eine Form der Kommunikation…

…eine Sprache, die nicht in Notenwerten und Pausen wiedergeben wird. Den Puls und den „Flow“ der Musik mit all ihren Nuancen an Timing zu erleben und nach Möglichkeit zu vermitteln – das macht Musik für mich aus“, meint die international bekannte Pianistin Sheila Arnold, die anlässlich ihres Konzertes am 16. November 2014 um 17 Uhr mit dem Sinfonieorchester Opus 125 in der KFH in Mönchengladbach zu erleben sein wird.

sheilaarnold01
Foto: Christian Charlier

Frau Arnold, wie alt waren Sie, als sie das Klavier für sich entdeckten? Warum haben Sie sich für dieses Instrument entschieden?

Die Antwort ist insofern kurios, als meine Eltern zwar zunächst einmal ein Jahr nach meiner Geburt mit mir nach Deutschland umsiedelten, wir aber vier Jahre später der Heimat einen mehrmonatigen Besuch abstatteten. Wie wir wissen, hat Indien eine jahrtausendealte eigene Kultur. Die westliche Musik fand dort ihren Zugang zunächst einmal über die Missionare. Wir sind evangelisch und gehören somit zu einer Minderheit, die besonders im Süden Indiens vertreten ist. Meine Eltern sangen im Kirchenchor und die Chorleiterin bot uns an, in ihrem Hause zu wohnen. Wie der Zufall es wollte, war sie auch Klavierlehrerin und besaß als solche ein Klavier in ihrem Hause. Offenbar war es nun wohl so, dass man, wenn man mich vermisste, nur in die untere Etage zu gehen brauchte. Dort saß ich dann wohl und lauschte den Klavierstunden, habe vielleicht auch schon das eine oder andere ausprobiert.

Zurück in Deutschland musste ich allerdings noch ein paar Jahre warten, bis ich dann endlich mein erstes Klavier – ein altes, verschnörkeltes, schwarzes für 50,- Deutsche Mark bekam!

Was bedeutet das Klavier für Sie?

Neben meiner Familie ist es mein wichtigster Energiespender.

Ihre Musik ist Klassik. Haben Sie auch schon daran gedacht andere Musik als Klassik zu spielen? Vielleicht Jazz?

Nein. Das überlasse ich gerne denjenigen, die es können und dafür gestrickt sind. Ich bewundere diese Menschen aber sehr um ihren freien Umgang mit der Musik, übrigens genauso wie die „Spezialisten“ der Alten Musik.

Sie sind Solokünstlerin und treten auch immer wieder mit anderen Dirigenten und Orchestern auf. Gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter Musikern?

Nun ja, ich bin mit einem Musiker verheiratet und unsere Tochter ist verrückt nach Musik! Sagen wir einmal so, Musik ist eine Form der Kommunikation. Dieses geschieht beim Zusammenspiel untereinander und auch in Hinblick auf unsere Zuhörer. Es ist ein Kapitel zwischenmenschlicher Beziehung. Und wie im sonstigen Leben gibt es auch hier „Wahlverwandtschaften“…oder aber es gibt keine gemeinsame Basis. Wir stehen im günstigen Fall im Dialog und im traumhaften Idealfall atmen wir gemeinsam, erspüren Spannungsbögen der anderen und reagieren auf spontane Impulse. Ja, in diesem Fall gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Dieses entsteht naturgemäß aber vielleicht eher mit Kammermusikpartnern, mit denen man mehr Zeit im Vorfeld verbringt als mit einem Orchester, mit dem man in der Regel nicht mehr als maximal zwei Proben hat und sich aus Zeitmangel oft auf einen Kompromiss einigen muss – leider!

Der Dirigent ist der Chef des Orchesters, das Sie begleitet. Empfinden Sie ihn auch als Ihren Chef?

Es ist eine interessante Angelegenheit mit dem Klavier und einem Orchester. Eigentlich treffen zwei Instrumente aufeinander. Der gesamte Orchesterapparat ist quasi ein Instrument und das Klavier wiederum ist ein Orchester en miniature. Es hat genauso seine vielen Stimmen, die zu Wort kommen wie ein Orchester seine Instrumentengruppen hat. Gleichzeitig fühlt sich ein Orchester als Einheit. Nun passiert das Spannende, dass die einzelnen Stimmen des Klaviers mit den einzelnen Stimmen des Orchesters kommunizieren, gemeinsam atmen und sich miteinander verweben. Die klassischen Konzerte sind eigentlich fast alle auch ohne Dirigent spielbar. In dem Fall ist meist der Konzertmeister der „Repräsentant“ des Orchesters und erster Gesprächspartner. Ursprünglich war das Klavier durch seine Position im Orchester zwischen den Streichern integriert und war gleichzeitig der Dirigent! Der zusätzliche Dirigent im Solistenkonzert ist somit eine „moderne“ Erfindung. Eine der vielen Folgen der immer größer werdenden Orchester, Säle, Tasten-Instrumente, etc.

Wir sind Duo-Partner. Der Dirigent „spielt“ das Orchester und der Pianist spielt das Klavier. Und wie in jeder anderen Form von Kammermusik führt der Eine aber auch der Andere!

sheilaarnold02
Foto: Christian Charlier

Was ist Freiheit für Sie?

Täglich selbst entscheiden zu können, welche Prioritäten wir in unserem großen Spektrum an Möglichkeiten setzen möchten. Sei es privat, musikalisch selbst ausübend, unterrichtend oder organisierend. – Ohne dabei die Freiheiten anderer zu beeinträchtigen.

Was heißt das für die Musik?

Innerhalb des Pfades, der vom Notentext und dem jeweiligen Stil vorgegeben ist, rhetorisch spielen zu können, atmen zu können, die Resonanz des Instrumentes mit meiner Resonanz zu vereinen und diese wiederum mit der des Publikums und dafür nicht den absoluten Wert von Notenwerten und Pausen wiederzugeben und sondern den Puls und den „Flow“ der Musik. Ihre Sprache mit all ihren Nuancen an Timing zu erleben und nach Möglichkeit zu vermitteln – so wie wir es auch von unserer gesprochenen oder gesungenen Sprache her kennen.

Ordnen Sie sich als Interpretin den Komponisten unter? Oder versetzen sich in deren Geisteszustand?

Als Interpreten sind wir „Vermittler“, im Englischen gibt es das Wort „interpreter“, was soviel heißt wie „Übersetzer“. Wir haben also die Aufgabe und die Verantwortung, einen Text in einer bestimmten Sprache zu lesen und dann jemandem in dessen Sprache zu übersetzen.

Das setzt also voraus, dass wir beiden Sprachen beherrschen. Wir versuchen, den Notentext so zu verstehen, wie er zu der jeweiligen Zeit der jeweiligen Komponisten in ihrem jeweiligen Land gemeint war, auf den jeweiligen Instrumenten gespielt und von seinen Zeitgenossen auch entsprechend verstanden wurde, und die gelesene Musik daraufhin für andere hörbar zu machen.

Ich werde mich hüten, mich in den Geisteszustand der Komponisten versetzen zu wollen! Sicherlich fallen auch Ihnen direkt einige Beispiele ein, bei denen das nicht gerade wünschenswert wäre.

Wohl aber sehe ich es als unsere Aufgabe als Interpreten an, im Zuge des nachschöpferischen Vorgangs, das Werk in seiner Dramaturgie einerseits zu erfassen, andererseits die unterschiedlichen Charaktere oder Affekte trotz professioneller Distanz zu durchleben.

Wir sind keine guten Musiker, wenn wir nur in der Lage sind, uns selbst darzustellen. Es ist stets eine Arbeit des Musikers an der jeweiligen Rolle und an sich selbst. Frei nach Stansislawski…

Sie engagieren sich u.a. im Projekt „rhapsody in school“. Was sind Ihre Beweggründe?

Die Neugier der Kinder und Jugendlichen und meine eigene Liebe zur klassischen Musik, die ich gerne auch der jüngeren Generation weitergeben möchte. Entweder spielerisch wie bei einem Kindertheaterstück über Mozart, das ich zusammen mit einer Schauspielerin erarbeitet habe und das sich explizit an Vor- und Grundschulkinder wendet oder aber im Gespräch an den Schulen. Hier stellen die Kinder und Jugendlichen die Fragen. Zum Privatleben, zum Berufsleben, zu meinen Empfindungen, zum Instrumentarium etc. Dadurch sind wir Musiker nicht mehr Wesen von einem anderen Planeten, die man aus der Ferne auf einer Bühne sehen kann und die mit geschlossenen Augen in einer scheinbar fernen Welt leben, sondern ganz normale Menschen, die sich allerdings einer bestimmten Sache verschrieben haben.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Oh, da warten zwei CDs darauf, veröffentlicht zu werden und zwar einerseits Duo-Werke für Romantische Gitarre und Fortepiano und eine CD mit Werken von Franz Schubert für Klavier solo. Außerdem gibt es einige Konzerte, u.a. in Frankreich, Peru und Bolivien. Kammermusikabende (beispielsweise am 1. März in Düsseldorf mit Alexander-Sergei Ramirez, Klassische Gitarre).

Auch Meisterkurse im Sommer an der Landesmusikakademie Schloß Engers und in Belgien.

Am 16. November um 17 Uhr darf sich Mönchengladbach nun auf Sheila Arnolds Interpretation des Beethoven Klavierkonzert Nr.3 c-Moll und weitere Orchesterwerke von Beethoven mit dem Sinfonieorchester Opus 125 freuen.

Opus125

Gleich drei Werke von Ludwig van Beethoven stehen beim Konzert in der Kaiser-Friedrich-Halle auf dem Spielplan des Sinfonieorchesters Opus 125. Unter der Leitung von Michael Mengen kombiniert das Orchester Beethovens stürmische Ouvertüre zu „Coriolan“ mit der 8. Sinfonie.

www.opus125.de

Design: Linus Bahun
Design: Linus Bahun

Die Visualisierung und das Design zum Programmplakat wurde von Linus Bahun entworfen. Eine Aufgabenstellung, die das Orchester zukünftig gerne weiterhin von jungen Designern umsetzen lassen würde.

Smartphone oder Taschenbuch, Herr Eberl?

Smartphone oder Taschenbuch, Herr Eberl?

Die Begeisterung für das Buch hat nicht nur der Sportdirektor von Borussia Max Eberl als Schirmherr der „Lesewoche“ an der Gesamtschule Hardt feststellen können – auch die neue Kinder-Medien-Studie 2017* kann dies bestätigen: Trotz Smartphone: Kinder lesen klassisch! Die Kinder-Medien-Studie untersucht unter anderem das Medienverhalten von Kindern und welche Rollen Eltern und Freunde spielen. Dabei haben auch Prominente Vorbildfunktion. Ein…

Perspektive Traumberuf

Perspektive Traumberuf

Das Ergebnisse der Bildungsstudie über das Bildungsniveau von Grundschülern (Studie IQB-Bildungstrends) war vorhersehbar und lässt die Tatsache, dass heute immer mehr junge Menschen beim Übergang in Ausbildung oder Studium scheitern, noch einmal dramatischer erscheinen. Jeder Dritte bricht heutzutage sein Studium oder seine Ausbildung ab. Was könnten die Gründe sein?

Scrollen oder nicht scrollen

Scrollen oder nicht scrollen

Dass dieser Beitrag überhaupt zu Ende gelesen wird, ist eher unwahrscheinlich. Vier Screen-Seiten sind da die magische Grenze, wo auch der geduldigste Leser die Lust verliert.

PICTERVIEW

PICTERVIEW

Eine Frage – Ein Bild. Keine langen Dialoge, sondern 10 Fragen mit jeweils einem Bild beantwortet. „Picterview“ – Die wahrscheinlich kürzeste Form eines Interviews

Die Hoffnung ist größer als die Angst

Die Hoffnung ist größer als die Angst

Seit Jahrzehnten galt Polen als Auswanderungsland. Mit der Ukraine-Krise ändert sich das – gegen den Willen der Regierung? Die Hoffnung ist größer als die Angst from GLOCAL FILMS on Vimeo. Der Herbst bricht an. Nach dem goldenen Sommer 2014 wollen es einige, wichtige Politiker im Bundestag noch nicht wahrhaben, dass nun komplizierte Zeiten anstehen. Es…

Work in progress

Work in progress

Vorurteile, Stimmungsmache oder was ist wirklich dran an dem Bild, wie Polen zum Flüchtlingsthema steht. Wie denkt die polnische Bevölkerung über Intergration, wie geht sie heute damit um, wie fühlen sich Flüchtlinge im Land und welche geschichtliche Bedeutung hat das Thema Flucht in Polen? An diesen Fragestellungen arbeiten gerade Lea und Max in ihrem trinationalen Team während des zweiten Workshops…

EU Programm statt EU Flat

EU Programm statt EU Flat

Europa hat mehr zu bieten als nur Verbrauchervorteile oder Bananen-Wiege-Verordnungen. Die Europäische Union braucht jedoch mehr denn je ein Konzept für die Zukunft. Sie darf nicht nur bewahren, sondern muss auch Visionen entwickeln, wie junge Menschen in Zukunft leben wollen und internationale Chancen nutzen können.

Weg in den Erdogan-Staat

Weg in den Erdogan-Staat

Vor über zehn Jahren begannen die offiziellen Beitrittsverhandlungen, seit drei Jahrzehnten steht der türkische EU-Mitgliedschaftsantrag im Raum und mehr als 50 Jahre wird über engere Kooperation gesprochen: Der angestrebte EU-Beitritt der Republik Türkei beschäftigt und belastet die Beziehungen zwischen Europa und Ankara seit jeher. Reformer näherten die Türkei einst an die Europäer an. Doch es…

„Ich bin nicht arrogant, geb mich aber nur mit dem Besten zufrieden.“

„Ich bin nicht arrogant, geb mich aber nur mit dem Besten zufrieden.“

Am Donnerstagabend hatte der Literaturkurs der Q1 eine Poetry Slam Veranstaltung. Und diese mit Erfolg.

Die Scheinwelt des Eurovision

Die Scheinwelt des Eurovision

KRIEG ich endlich mal FRIEDEN? Wenn am Samstag die 62. Ausgabe des Eurovision Song Contest über die Bühne geht, dann wird das kein normaler Gesangswettbewerb. Der langjährige Grenzkonflikt zwischen Russland und dem Gastgeberland Ukraine macht den diesjährigen ESC zu einer politischen Großveranstaltung von hoher Brisanz. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Siegerlied der ukrainischen Krimtatarin Jamala…

Jugendliche wählen jetzt schon.

Jugendliche wählen jetzt schon.

Bei der Juniorwahl im Mai simulieren Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse aus 261 Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen die Landtagswahl, die regulär am Sonntag, dem 14. Mai 2017 stattfindet. Bei der Juniorwahl haben die Jugendlichen ebenfalls zwei Stimmen und die Auswahl zwischen allen Parteien, Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten, die auch bei der regulären Landtagswahl antreten.

Dokumentarfilmworkshop in der Ukraine

Dokumentarfilmworkshop in der Ukraine

Frau Merkel reist nach Russland, um mit Herrn Putin über die aktuelle politische Lage im Gespräch zu bleiben. Lea und Max reisten für eine Woche zu Gesprächen in die Ukraine, um im Rahmen eines Dokumentarfilmprojektes mit Binnenflüchtlingen zu reden und die aktuellen Probleme des Landes zu verstehen.

Umsonst und draußen zum 3. Mal

Umsonst und draußen zum 3. Mal

Am 10. Juni wird es mal wieder laut in Hardt. Grund dafür ist das HardtBeat-Festival, das in diesem Jahr zum dritten Mal unter freiem Himmel stattfindet.

Übersiedler – oder Flüchtling im eigenen Land?

Übersiedler – oder Flüchtling im eigenen Land?

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit mehr als 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Die Medien berichten oft nur über die Flüchtligskrise in Westeuropa. Dabei zählt der Flüchtlingsstrom in der Ukraine zu den gewaltigsten in Europa seit dem Jugoslawienkrieg. Ein junges trinationales Team beschäftigt sich gerade in einem Dokumentarfilmworkshop in Riwne (Ukraine) mit der Thema der militärischen Auseinandersetzung…

Etwas Besseres als den Tod findet man immer.

Etwas Besseres als den Tod findet man immer.

Kein Märchen, sondern die Motivation vieler Menschen damals und heute, ihre Heimat zu verlassen. Flucht ist kein neues Phänomen, im Gegenteil. Seit Beginn der Menschheitsgeschichte gibt es stets Verfolgung und Flucht auf der einen und Schutz und Asyl auf der anderen Seite.