Zum Semesterstart: So lernst du besser auswendig!

Studium — das bedeutet Freiheit, neue Eindrücke und Erlebnisse, die du nie vergessen wirst! Neben den vielen spannenden Erfahrungen, die ein Studium mit sich bringt, gibt es auch einige Dinge, die kaum jemand am Uni-Alltag mag. Dazu gehört zum Beispiel das Auswendiglernen von Zahlen, Fakten oder Gesetzespassagen. Egal ob in Psychologie, Medizin, Jura, Natur- oder Geisteswissenschaften: oft ist es effizienter und hilfreicher Inhalte zu verstehen, durchzuarbeiten und in verschiedenen Kontexten anzuwenden. Um aber ein gutes Grundverständnis zu bekommen, muss man sich oft einige Inhalte gezielt aneignen und auswendig lernen. Mit diesen 12 psychologischen Tricks kannst du deine Methodenbox zum Auswendiglernen ausbauen und entspannter ins nächste Semester oder Schuljahr starten!

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1. Was dein Gehirn garnicht mag: Multitasking

Psychologen wissen es schon lange: Der Mensch ist nicht multitaskingfähig. In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass die Aufmerksamkeit von Menschen pro Aufgabe deutlich abnimmt, wenn sie zwei oder mehr Aufgaben gleichzeitig erledigen sollen. Das Problem: Aufmerksamkeit und fokussiertes Arbeiten sind beim Lernen das A und O.

Was uns vorkommt wie gleichzeitiges Arbeiten ist im Gehirn in Wirklichkeit ein schnelles hin- und herspringen zwischen zwei Teilaufgaben. Das kostet nicht nur Ressourcen, sondern der neue „unwichtige“ Input von Facebook, WhatsApp & Co überschreibt die gelernte Information sogar. Das macht Lernen uneffektiv und mühsam.

Gestalte deinen Arbeitsplatz daher so, dass du dich ganz auf den Inhalt, den du lernen möchtest, konzentrieren kannst— ohne Nachrichten auf dem Handy, Musik im Hintergrund und anderen Informationen, die dein Lernen stören oder überschreiben können. Aus der Forschung wissen wir: Menschen, die gut lernen, können Informationen gut und effizient verarbeiten. Und das geht besonders gut, wenn du nicht abgelenkt bist.

Selbstexperiment | Im Selbstexperiment kannst du herausfinden, wie sehr Multitasking stören kann. Lerne dazu z. B. 10 Karteikarten in einer Umgebung, in der du überhaupt nicht gestört wirst und dich ganz auf die Inhalte konzentrieren kannst. Wähle anschließend 10 weitere Karten, die du auswendig lernst; lege nun aber dein Smartphone bereit und versuch darauf zu achten, wenn es vibriert oder eine Nachricht erscheint. Anschließend kannst du den Vergleich ziehen: in welcher der beiden Arbeitsphasen konntest du besser lernen?

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2. Vokabelkarten schreiben

Vokabelkarten gehören zu den besten Werkzeugen, um neue Inhalte zu lernen, weil schon ihre Erstellung einen unheimlichen Wissensgewinn bringt, man sie später überall hin mitnehmen kann und man einfach überprüfen kann, wie viel vom Stoff man schon kann und welche Einheiten man besser noch einmal trainieren sollte — sie tragen also zur Motivation bei. Mit Karteikarten kannst du dich außerdem von Freunden oder Familienmitgliedern abfragen lassen. Das kannst du beim Beschreiben und Erarbeiten deiner Karteikarten beachten, um effizient und effektiv zu lernen:

I. Fasse Inhalte beim Beschriften deiner Karteikarten zusammen und übernimm sie nicht „blind“ von den Folien deines Professors oder aus den Seiten des Lehrbuchs. Umso mehr du die Inhalte zu „deinen“ Inhalten machst, indem du sie zusammenfasst, umformulierst und bearbeitest, desto besser kannst du sie lernen.

II. Die Rückseiten deiner Karteikarten müssen nicht immer gleich aussehen — bring Farbe ins Spiel, erstelle kleine Skizzen oder versieh Karten mit Mind-Maps und Cluster-Strukturen. Bildliche Inhalte oder solche, die gut strukturiert sind, können Menschen sich meist besser merken.

III. Aus eins mach fünf: oft fällt es leichter sich mehrere kleinere Einheiten einzuprägen als wenige große, denn der Speicher unserer Kurzzeitgedächtnisses ist im Gegensatz zum Langzeitgedächtnis begrenzt. Indem du Lernstoff in viele kleine Untereinheiten aufteilst, und auch für einzelne Begriffe unterschiedliche Karten anlegst, kann es schonmal sein, dass dein Karteikartenstapel für ein Fach auf eine Höhe von 20 Zentimetern anwächst; die Chancen stehen aber gut, dass Du Inhalte so besser und tiefer lernst.

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3. Besser lernen mit Struktur

Viele Studenten können Wörter wie Mind-Map oder Cluster nicht mehr hören. Tatsächlich gehören diese strukturierenden Lernstrategien aber mit zu den effektivsten Methoden um sich Wissen anzueignen. Zum einen befasst man sich beim Strukturieren und Sortieren nämlich intensiv mit den Inhalten, die man lernen möchte und bereitet sie auf neue Art und Weise auf. So macht man sich Lernstoff „zu eigen“ und generiert neues Material, mit dem man anschließend arbeiten kann.

Zum anderen verschafft man sich selber eine Orientierung darüber, wo im großen Ganzen einzelne Punkte angesiedelt sind und stellt Verknüpfungen im vorhandenen Lernmaterial her. Aus einem isolierten Fakt wie einem Hirnnerv oder einem Paragraphen wird so ein Puzzleteil im großen Bild.

Die Wirkung solcher Methoden, zu denen z.B. auch das Schreiben von Zusammenfassungen, die Bildung von Kategorien oder das Anlegen einer großen Lernübersicht gehört, lässt sich empirisch sehr stabil nachweisen.

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4. Klappt garnicht? Ab auf die „Core-List“!

Einige Dinge wollen einfach nicht in den Kopf. Während sich bei den meisten Inhalten mit der Zeit Erfolge einstellen, gibt es meist einige Gebiete die besonders knifflig zu sein scheinen.

Dafür bietet sich die Core-Liste (Liste mit Kerninhalten, die du öfter wiederholst als alle anderen Inhalte) an: Falte dazu ein einfaches A4-Papier in der Mitte durch. Schreibe dann auf die eine Seite vom Knick eine Frage und auf die andere Seite die zugehörige richtige Antwort. Wie in einem Vokabelheft kannst du diese Zettel mit Knick nun zwischendurch immer wieder durchgehen und dich selber überprüfen. Auch die schwierigsten Dinge kann man sich so mit der Zeit gut merken.

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5. Potenziere deinen Lernerfolg

Neue Messverfahren, mit denen wir dem menschlichen Gehirn quasi beim Lernen zusehen können, bringen immer wieder spannende und praktische Erkenntnisse. Dieser Tipp ist besonders wertvoll: Frage dich beim Lernen zwischendurch immer wieder „Wo im Lernstoff bin ich hier gerade?“ oder „Zu welchem Thema gehört das, was ich gerade lerne?“.

So kannst du den Vernetzungsgrad der gelernten Information um ein vielfaches potenzieren und leichter darauf zugreifen. Was sich trivial und simpel anhört, ist tatsächlich bei vielen Lernenden hoch effektiv.

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6. Du hast mehrere Sinne — nutze sie richtig!

Verschiedene Arten von Informationen kommen in unterschiedlichen Arealen deines Gehirns an und werden in wieder anderen Gebieten verarbeitet und vernetzt. Besonders effektiv ist es daher möglichst viele Sinne beim Lernen anzusprechen, um ganz verschiedene Zugangsareale des Gehirns zu aktivieren. So erhöhst du den Vernetzungsgrad der Information und aktivierst die fürs Lernen wichtigen Assoziationsareale.

Einen visuellen Zugang schaffst du zum Beispiel, indem du die Inhalte aus dem Buch und der Vorlesung zusammenfasst und visuell aufbereitest. Umso bildlicher du dein Lernscript oder deine Karteikarten gestaltest, desto besser wirst du sie vermutlich erinnern können. Methoden wie Mindmapping, Clustering und die farbliche Ausgestaltung können dabei helfen.

Während der akustische Zugang früher vielleicht ein Problem war, weil nicht alle Studenten über Aufnahmegeräte und Mikrofone verfügten, ist heute jedes Smartphone auch ein leistungsstarkes Diktiergerät. Nutze es beim Lernen, indem du deine Zusammenfassungen einsprichst und immer wieder anhörst. Zwei Dinge solltest du dabei beachten:

I. Sprich bei der Aufnahme möglichst langsam und natürlich — so kannst du Sätze und Inhalte schon „beim Hören vervollständigen“ und alles gut nachvollziehen.

II. Natürlich kannst du seitenweise Kapitel aus dem Lehrbuch einsprechen und anschließend abhören; viel effektiver ist es aber, wenn du deine Zusammenfassungen hörst und verarbeitest. So werden die Inhalte zu deinenInhalten und können stärker mit deinem bereits vorhandenen Wissen vernetzt werden.

Noch nicht genug? 6 weitere Lerntricks findest du hier.

Zum Abschluss

Viele Professoren und Studenten würden intuitiv den Satz unterschreiben: Verstehen ist besser als Auswendiglernen! Wie die hier gezeigten 12 Tipps und Strategien zeigen, ergänzt sich beides aber logisch und gehört zusammen: das Verstehen und das Auswendiglernen widersprechen sich nicht sondern gehören im Uni-Alltag meist zusammen. Wer zum Beispiel Inhalte strukturiert wird bei dieser Tätigkeit wahrscheinlich mehr verstehen und die Information dabei auch besser memorieren.

Mich interessiert: Mit welchen Techniken zum Auswendiglernen habt ihr gute Erfahrungen gemacht? Gibt es Techniken und Strategien, die nur zu bestimmten Inhalten passen? Und wie sehr gehört das Auswendiglernen in euren Studiengängen mit zum Uni-Alltag?

  • Andreas Oehmig

    Mit welchen Techniken zum Auswendiglernen habt ihr gute Erfahrungen gemacht? <<– Wenn man das Thema, Wort, Konzept um das es geht, mit einer anderen Person persoenlich diskutiert. Zum Beispiel Japanisch, wenn ich mit meiner Japanischen Ehefrau ein Wort diskutiere, das ich bisher nicht kannte. Vergesse ich das nicht, dasselbe ist es auf Arbeit, die Arbeitskollegen erklaeren mir ein Wort und ich vergesse das nicht mehr, wenn ich ein Wort mit Karteikarten Auswendiglernen will, dauert das ne ganze Weile bis es richtig sitzt. Ich nehme mal an das, dass Gehirn den Informationen die es durch den direkten menschlichen Kontakt erhalten hat, deutlich mehr Prioritaet einraeumt.

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