„Es macht Spaß und es macht satt“

Schnippeln, Beats und gute Vibes: Wie die Schnippeldisko Leute zusammenbringt

Eine Reportage mit Interviews und Fotos von Sofija Ugrinouska und Annika Krüll

Am 17. April wurde es in der Zentralbibliothek Carl Brandts Haus in Mönchengladbach alles andere als leise: Musik, klappernde Messer auf Schneidebrettern und lachende Kinder bestimmten die Atmosphäre. Die sogenannte „Schnippel-Disko“, organisiert von der Stadtbibliothek in Kooperation mit Foodsharing und Slow Food Mönchengladbach, zeigt ziemlich eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit alles andere als langweilig oder belehrend sein muss.

Gemeinsam schnippeln statt wegwerfen

Das Konzept ist simpel und gerade deshalb so stark: Lebensmittel, die sonst im Müll gelandet wären, werden gemeinsam geschnippelt, gekocht und gegessen. Und das Ganze mit Musik und guter Laune.

„Wir sind Enthusiasten bei gekochten Kartoffeln“, erzählt ein Mitglied von Slow Food Mönchengladbach lachend. „Die werden hier zu einem richtig leckeren Salat verarbeitet und das macht einfach Spaß.“ Besonders auffällig: Viele Kinder und Jugendliche machen konzentriert mit. Genau das ist auch das Ziel der Initiative: „Sich mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen und zu gucken, wo kommen die her, was kann man damit machen?“

Vom Sternekoch zur nachhaltigen Küche

Mit dabei ist auch Koch Martin Friedrich, der auf eine lange Karriere zurückblickt, von der Sternegastronomie bis zur nachhaltigen Betriebsküche. „Ich habe viele Jahre in der Sterne-Gastronomie gearbeitet“, erzählt er, „bin dann aber in die Betriebsgastronomie gewechselt.“ Dort setzte er bereits früh auf Bio, regionale Produkte und vegetarische sowie vegane Küche.

Heute steht er bei der Schnippeldisko am Herd und ist begeistert: „Sehr, sehr schön, wenn hier jung und alt zusammenkommen. Gerade bei unserem Thema mit geretteten Lebensmitteln ist es toll zu sehen, wie groß das Interesse ist.“

Hinter den Kulissen: Teamwork pur

Organisiert wurde das Event unter anderem von Medienpädagogin und Bibliotheksmitarbeiterin Frau Kainth. Für sie ist klar: „Damit sowas funktioniert, müssen ganz viele Leute zusammenkommen und Lust darauf haben.“ Die Idee entstand im Rahmen der Kinder- und Jugendgesundheitswoche und wurde gemeinsam mit Foodsharing umgesetzt.

Das Besondere: Alle Lebensmittel sind gerettet. „Foodsharing sammelt Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden und wir verkochen sie hier gemeinsam“, erklärt Kainth.

„Die Schnippeldisko macht glücklich“ Einer der Initiatoren bringt es auf den Punkt: „Die Schnippeldisko macht glücklich.“ Schon vor vier Jahren hat er das Format nach Mönchengladbach gebracht und seitdem wächst die Begeisterung. „Die Leute haben gute Laune, tauschen sich aus über Geschmack, Essen, Kulinarik und nebenbei retten wir Lebensmittel.“

Mehr als nur eine Bibliothek

Auch Bibliotheksleiter Ylmaz Holtz Ershain sieht in der Veranstaltung mehr als nur ein Event: „Wir wollen Wissen vermitteln und Menschen für Lebensmittelverschwendung sensibilisieren.“ Gleichzeitig soll die Bibliothek als Ort der Begegnung wahrgenommen werden: „Wir teilen Wissen, Bücher und heute eben auch Lebensmittel.“

Besonders spannend: Kinder, die zu Hause vielleicht nicht gern helfen, sind hier voll dabei. „Die Stimmung ist einfach eine andere“, beobachtet er.

Familienfeeling inklusive

Und wie kommt das Ganze bei den Besucher:innen an? Eine Familie bringt’s entspannt auf den Punkt: „Essen und Musik, besser geht’s doch nicht.“ Die Atmosphäre sei „sehr angenehm“, man könne einfach mitmachen. Und genau das bleibt hängen: „Man sitzt zusammen, schnippelt zusammen und das verbindet.“

Die Schnippeldisko zeigt, wie einfach es sein kann, Menschen für wichtige Themen zu begeistern. Kein erhobener Zeigefinger, sondern gemeinsames Erleben. Oder wie es einer der Beteiligten sagt: „Was hängen bleibt, ist: Es macht Spaß – und es macht satt.“ Und genau das ist die Mischung, die schmeckt!