Klassik, aber ohne „Pssst!“

Klassik trifft Couch-Vibes? Klassische Musik und entspannt zurücklehnen wie im eigenen Wohnzimmer, passt das zusammen? Spoiler: ja. Und zwar ziemlich gut. Bei „Zwischen Traum und Tango“ wird aus dem Konzertsaal ein Ort, an dem du nicht still sitzen musst, nichts verstehen musst und trotzdem alles fühlen kannst. Hier geht’s nicht nur um Musik, sondern um die Menschen dahinter, ihre Geschichten und den Moment, den ihr gemeinsam erlebt.Kein Abstand, kein elitäres Gehabe, eher wie ein Treffen mit richtig guter Live-Musik. Wenn du dachtest, Klassik ist nichts für dich: Das Konzert im Wandelsaal in der Zentralbibliothek im Carl Brandts Haus in Mönchengladbach am 23. April, 19:30 Uhr könnte dich überraschen. Für Schüler*innen kostenlos. Die Plätze sind begrenzt, also lieber schnell sichern bei den Musikfreunden.

Foto: Anna Tena

von Leonie Herschbach

Klassische Musik – die normale Reaktion eines Teenagers wäre wahrscheinlich: Das ist doch voll langweilig! Aber muss klassische Musik wirklich immer langweilig sein? Die Konzerte der musik+ Reihe der Musikfreunde zeigen, dass klassische Musik viel mehr sein kann als nur stilles Zuhören in einem Konzertsaal, bei dem nicht nur Musik im Mittelpunkt steht, sondern die Menschen dahinter. Genau das kann man mit dem Konzert „Zwischen Traum und Tango“, das der Verein der Freunde und Förderer der Musik in Kooperation mit der Stadtbibliothek veranstaltet, erleben. Am 23. April um 19.30 Uhr wird der Wandelsaal zum Wohnzimmer.

Wir haben für euch im Vorfeld bei den KünstlerInnen und Organisatoren nachgefragt, was genau dieses Format von anderen Konzertformaten unterscheidet. Was sofort auffällt: Hier geht es nicht um klassische Distanz zwischen Bühne und Publikum. Der Raum wird anders gestaltet, sodass die MusikerInnen und das Publikum sich auf Augenhöhe begegnen können. Aus einem Konzertsaal wird ein Wohnzimmer, welches eine entspannte und persönliche Atmosphäre erzeugt, in dem das Publikum aktiv zum Beispiel durch Gespräche mit einbezogen werden kann.

Die Musikreihe entstand aus der Erfahrung, dass klassische Konzerte eine stärkere Wirkung haben, wenn sie in einem größeren Zusammenhang stehen. Beispielsweise, wenn sie mit anderen Orten, neuen Programmen oder gesellschaftlichen Themen verbunden werden. Diese Idee wurde weiterentwickelt und die Konzerte von Musik+  sollen Teil eines Erlebnisses sein, bei dem Austausch und neue Berührungen mit Musik priorisiert werden.

Den Wandelsaal der Zentralbibliothek im Carl Brandts Haus in Mönchengladbach haben Jugendliche zusammen mit der Szenografin Paula Vollmer in ein Wohnzimmer mit entspannter und einladender Atmosphäre verwandelt. In diesem Rahmen fühlen die ZuhörerInnen sich wohl und die Musik kann anders wahrgenommen werden. An diesem Abend führt uns Javier Álvarez durch das Programm und wird den ZuhörerInnen die Musik nahebringen.

Was sofort auffällt: Hier geht es nicht um klassische Distanz zwischen Bühne und Publikum. Moderator Javier Álvarez Fuentes will genau diese Grenze auflösen. Seine eigene Erfahrung spielt dabei eine große Rolle. „Ich hatte keinerlei Beziehung zu dieser Musik – aber auch nicht zu den Menschen, die sie gespielt haben.“ Ein Satz, der ziemlich ehrlich beschreibt, warum viele junge Leute mit klassischer Musik fremdeln.

Sein Ansatz ist deshalb ein anderer. Nicht zuerst über Werke sprechen, sondern über Menschen. „Sie kennenzulernen ist, glaube ich, ein sehr direkter und menschlicher Zugang zur Musik.“ Der Abend soll sich nicht wie ein Konzert im klassischen Sinne anfühlen, sondern eher wie ein offenes Gespräch. „Das Ganze ist eher wie ein Treffen in einem Wohnzimmer.“ Es gibt kein Publikum im klassischen Sinne, sondern jeder ist Teil des Konzerts.
Die Menschen sollen die Musik spüren und alles um sich herum vergessen können.

Die beiden MusikerInnen des Konzerts, Lena Kravets und Tobias Kassung , entdeckten beide schon im Kindesalter ihre Leidenschaft und merkten früh, dass für sie Musik mehr als nur ein Hobby ist. Lena wuchs in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, in einer Musikerfamilie auf. Mit bereits sechs Jahren besuchte sie eine Schule mit Musikschwerpunkt und belegte zuerst das Hauptfach Klavier, stellte jedoch nach drei Jahren fest, dass das Cello ihr Instrument ist. Die Ausbildung war streng und umfangreich und bereitete die SchülerInnen auf ihren Beruf als professionelle InstrumentalistInnen vor. Dennoch spielte sie immer mit viel Hingabe und Begeisterung.  Tobias wollte schon als kleines Kind Gitarrist und Komponist werden. Sein Interesse am Gitarre spielen wurde damals durch seinen älteren Bruder geweckt. Zum siebten Geburtstag bekam er eine Kindergitarre geschenkt, auf der er dann täglich spielte und begann dann auch mit dem Gitarrenunterricht an der städtischen Musikschule in Koblenz. Als er dann mit zehn Jahren einen ersten Preis bei „Jugend musiziert“ gewann und er auch häufiger kleine Auftritte hatte, stand eigentlich schon fest, dass es für ihn in eine professionelle Richtung geht. Die beiden arbeiteten nun seit 15 Jahren zusammen und haben Freude daran, gemeinsam zu musizieren und neue Programme für ihr Publikum zu erarbeiten. Die Klänge des Cellos und der Gitarre passen perfekt zusammen, wodurch die Musik sehr harmonisch wirkt. Ihr Wunsch ist es, das Publikum mit ihrer außergewöhnlichen Musik zu faszinieren, Emotionen zu wecken und in eine Fantasiewelt zu entführen.
In ihrem eigenen Stück, welches Tobias selbst komponiert und sie danach gemeinsam erarbeitet haben, stellt der erste Satz die Heimat, als eine friedliche Welt dar, der zweite Satz mit wilder Musik symbolisiert dann die Vertreibung und Flucht, woraufhin der dritte Satz mit ergreifender Melodie die Hoffnung auf ein friedvolles Leben widerspiegelt. Und das ohne großes Pathos, sondern eher ein ruhiger, klarer Gedanke. „Eine Hoffnung und ein Wunsch, der uns alle auf dieser Welt vereint.“
Gerade diese Verbindung aus persönlicher Geschichte und globalem Thema macht das Stück so zugänglich. Es braucht keine Vorkenntnisse, um es zu verstehen. Vielleicht ist genau das auch die Botschaft des Abends insgesamt. Klassische Musik muss nicht kompliziert sein. Sie wird es oft erst durch den Rahmen, in dem sie stattfindet. Oder, wie die beiden es selbst sagen: „Habt gar keine Berührungsängste.“

Die beiden raten jungen Menschen neugierig zu sein, keine Berührungsängste mit klassischer Musik zu haben und einfach mal in ein Konzert oder eine Oper zu gehen, da sich so ein Erlebnis immer lohnt und die Eintritte meistens auch sehr günstig sind.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, dann kommt vorbei und macht auch die Erfahrung, klassische Musik mal etwas anders zu erleben. Der Eintritt ist für SchülerInnen umsonst. Wegen der begrenzten Plätze könnt ihr euch ganz einfach hier euer Ticket herunterladen.

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