Wir nutzen KI jeden Tag. Unsere Schulen sind darauf kaum vorbereitet.
Ich merke im Schulalltag ziemlich deutlich, dass künstliche Intelligenz längst normal geworden ist. Viele von uns nutzen ChatGPT oder ähnliche Tools fast selbstverständlich z.B. zum Lernen, für Hausaufgaben oder einfach, um Dinge schneller zu verstehen. Schon vor ein paar Jahren hat bereits mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Deutschland KI-Tools genutzt, und 2026 dürfte das noch deutlich mehr sein. Es ist irgendwie so geworden wie früher Google: Man fragt einfach kurz nach, wenn man nicht weiterkommt.

Gleichzeitig ist KI für uns nicht nur eine Abkürzung. Viele nutzen sie auch sinnvoll, zum Beispiel um sich Themen erklären zu lassen, Ideen für Texte zu bekommen oder für das Lernen vor Klausuren. Aber ich sehe auch, dass manche einfach ganze Aufgaben übernehmen lassen. Gerade am Anfang haben einige ausprobiert, ob man damit auch Hausaufgaben oder sogar Prüfungen „erledigen“ kann. Mittlerweile merkt man aber ziemlich schnell, dass KI-Texte oft zu glatt und perfekt scheinen, sodass man damit sogar auffällt. Aber vieles ist auch inhaltlich einfach nicht richtig.
Und genau da liegt das Problem: KI macht Fehler. Sie kann Dinge erfinden, die gar nicht stimmen, oder Informationen falsch darstellen. Das nennt man dann oft „Halluzinationen“. Das wirkt manchmal sehr überzeugend, aber ist eben nicht automatisch richtig. Und das liegt daran, dass KI nicht wirklich versteht, was sie sagt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten berechnet, welches Wort als Nächstes passt.
So funktioniert KI: Künstliche Intelligenz (KI) schreibt Texte, indem sie nicht wie Menschen denkt, sondern riesige Mengen an Daten auswertet. Sie zählt dabei zum Beispiel, welche Wörter, Buchstaben oder Wortkombinationen in vielen Texten häufig vorkommen und erkennt daraus Muster. Wenn man ihr eine Aufgabe gibt, wählt sie Schritt für Schritt immer das wahrscheinlich passende nächste Wort aus, basierend auf diesen Mustern. So entsteht nach und nach ein ganzer Text. Manchmal wird dabei auch etwas Zufall eingebaut, damit die Ergebnisse nicht immer gleich sind. Wichtig ist: Die KI versteht den Inhalt nicht wirklich. Sie „weiß“ nicht, was Wörter bedeuten, sondern berechnet nur Wahrscheinlichkeiten. Deshalb können auch Fehler oder Unsinn entstehen, obwohl die Texte oft sehr menschlich wirken.
Dazu kommt, dass die Systeme mit riesigen Datenmengen aus dem Internet trainiert wurden. Und im Internet gibt es nun mal auch Vorurteile und falsche Informationen. Deshalb kann es passieren, dass KI auch diskriminierende oder einseitige Inhalte übernimmt. Für uns heißt das eigentlich vor allem: Wir müssen immer prüfen, was da rauskommt, statt es einfach zu übernehmen.
In der Schule wird deshalb immer klarer, dass es nicht reicht, KI einfach zu verbieten oder sie unkontrolliert zu nutzen. Wir müssen lernen, wie sie funktioniert und wie man richtig damit umgeht. Medienkompetenz bedeutet heute nicht mehr nur, Informationen im Internet zu bewerten, sondern auch zu verstehen, wie Algorithmen arbeiten und warum KI keine neutrale Wahrheit liefert.
Es gibt kaum Lehrkräfte, die wirklich Ahnung davon haben. Die meisten – auch die jüngeren – sind selbst noch unerfahrene User. Dabei wäre es wirklich hilfreich zum Beispiel KI-generierte Texte oder Bilder zu analysieren, typische Fehler suchen oder lernen, wie man gute Prompts schreibt. Dabei merkt man ziemlich schnell, dass man ein Gefühl dafür entwickelt, was von einer KI kommt und was nicht. Und man lernt auch, sie gezielt als Werkzeug zu benutzen, statt einfach nur Ergebnisse zu kopieren.
Trotzdem ist KI nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance. Sie kann helfen, Inhalte besser zu verstehen, individuell zu lernen oder auch Lehrkräfte zu entlasten. Gerade weil es in Schulen oft zu wenig Lehrkräfte gibt, wird darüber diskutiert, ob KI zumindest einen Teil der organisatorischen Arbeit übernehmen kann. Aber klar ist auch: Sie kann Lehrkräfte nicht ersetzen. Schule ist mehr als nur Aufgaben und Lösungen, die schlimmstenfalls von der KI erstellt und dann auch noch von ihr korrigiert und bewertet werden. Es geht auch um Austausch, kritisches Denken, lösungsorientiertes Arbeiten und soziale Erfahrungen.
Ein großes Thema ist außerdem die Ungleichheit. Ich habe das Gefühl, dass manche Schülerinnen und Schüler viel mehr aus KI herausholen als andere. Die einen nutzen sie wirklich als Lernhilfe, die anderen eher als schnelle Lösung ohne richtiges Verständnis. Dadurch könnte sich die Schere zwischen verschiedenen Leistungsniveaus sogar noch vergrößern.
Und dann gibt es noch praktische Probleme wie Datenschutz, unterschiedliche technische Ausstattung oder auch die Unsicherheit vieler Lehrkräfte, weil sich alles so schnell verändert. Man merkt, dass die Schule da noch weit hinterher ist.
Am Ende habe ich das Gefühl: KI ist längst da, egal ob man das gut findet oder nicht. Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob wir sie nutzen, sondern wie wir lernen, richtig damit umzugehen. Und genau darauf müsste Schule uns eigentlich vorbereiten.
Medienausstellung: Künstliche Intelligenz entdecken
Montag, 22. Juni bis Samstag, 27. Juni Zentralbibliothek Carl Brandts Haus
Künstliche Intelligenz begegnet uns längst überall – im Alltag, in der Schule, im Beruf und in den sozialen Medien. Doch wie verändert KI unser Leben und welche Chancen und Herausforderungen bringt sie mit sich? Die Stadtbibliothek Mönchengladbach lädt mit einer Medienausstellung im Themenraum der Zentralbibliothek Carl Brandts Haus dazu ein, die faszinierende Welt der Künstlichen Intelligenz näher kennenzulernen. Themen wie Deep Fakes, Cyber Security und die verschwimmenden Grenzen zwischen Realität und digitaler Welt werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Besucher*innen können spannende Medien entdecken, sich informieren und tiefer in aktuelle Entwicklungen rund um KI eintauchen. Alle ausgestellten Medien sind ausleihbar. Die Ausstellung ist Teil der Digitalwoche Mönchengladbach und richtet sich an alle, die mehr über digitale Zukunftsthemen erfahren möchten.
Bilder KI generiert
