KULTUR, MEDIEN

Artist’s talk mit Minerva Cuevas

Minerva Cuevas stellte heute im Forum der Gesamtschule Hardt im Rahmen eines artist‘s talk einen Querschnitt ihrer Arbeiten vor, um anschließend mit den Schüler*innen im Plenum zu diskutieren. Moderiert und vorbereitet wurde das Gespräch durch die Standpunktredaktion und die Moderatoren Séan Levey und Ivana Baumann.

Die mexikanische Konzeptkünstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Globalisierung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel. In der Veranstaltung bietet Minerva Cuevas den Schüler*innen der EF die Möglichkeit, einer weltweit agierenden politischen Künstlerin quasi im eigenen Wohnzimmer zu begegnen. Was Minerva Cuevas macht, hat subversive Kraft und Witz, ist politisch durchaus brisant und doch neutral und ohne Vorwurf. So sagt sie in einer Videosequenz, die Recherche sei ihre künstlerische Arbeit. Tatsächlich aber findet sie  – unter Verwendung und Verfremdung bekannter Marken und Logos – eingängige Bilder, die etwa ideelle Werte verkörpern.

So im Werk „egalité“ im Kleid des französischen Labels „evian“, bei dem Kapitalismus und Hunger („Feast and Famine“) einander gegenübergestellt werden, indem alle 3.6 Sekunden ein Tropfen flüssige Schokolade von der Decke tropft. Jeder Tropfen ein Hungertod. Auch die Unter-Wasser-Demo am Belize Barrier Riff vor Cancun gehört zu diesen Bildern. Minerva Cuevas ist davon überzeugt, dass jeder Mensch die Möglichkeit und die Kraft hat, durch sein Tun den Lauf der Dinge zu beeinflussen.

Ihre Inhalte berühren daher nicht nur den Kunstunterricht, sondern auch die Inhalte der Fächer Geographie, Sozialwissenschaften, Politik oder Philosophie. Darüber hinaus bietet sie den Gesprächsteilnehmer*innen die Möglichkeit, ihre Fremdsprachenkenntnisse in einer authentischen Kommunikationssituation zu erproben.

Lange bevor der amerikanische Präsident Donald Trump verkündete, er werde eine Mauer zu Mexiko bauen lassen, realisierte sie im Jahr 2010  „Crossing the Rio Bravo“. In einem fünfminütigen Video („Bridging Borders“ von 2017) sagt sie an einer Stelle „If there is a border, there could be a bridge.“ Diese Haltung ist es wert, kommuniziert und multipliziert zu werden.

Im Talk mit Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hardt stellte sie sich den unterschiedlichsten Fragen:

//Welche Möglichkeiten sehen Sie für junge Menschen, die in einem Land leben, in dem viele in einer Komfortzone leben und gar keinen Anlass für Veränderung sehen?

//Gelingt das auch bei jungen Menschen, die teilweise noch nicht das Selbstbewusstsein haben, sich als kritische Konsumenten nur schwer dem Mainstream entziehen können?

//Die ‚Friday for Future’ Bewegung inspiriert weltweit viele junge Menschen und bewegt sie zum Widerstand. Worin sehen Sie den Erfolg der Bewegung?

//Die Intension, Menschen zum Nachdenken über Gesellschaft, Umwelt und Konsum zu bewegen und Ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu verändern, steht ja auch hinter Ihren künstlerischen Konzepten. Bewegt eine Demonstation wie die FridayforFuture Bewegung nicht mehr Menschen und eine breitere Masse als ein Kunstwerk? Haben Sie das Mittel Demonstration auch schon als künstlerisches Medium benutzt?

//Immer mehr Wachstum wird unser Leben zerstören. Wir können Freiheit, Demokratie und Wohlstand nur retten, wenn wir schnell eine Antwort auf die Klimakrise finden. Eigentlich sollte der Klimawandel heute das bestimmende politische Großthema sein – wenn Schlimmeres verhindert werden soll. Stattdessen hat man den Eindruck, dass viele Staaten an einer Politik festhalten, in denen Wirtschaftswachstum weiter über allem steht und niemand es wagt, an unser aller Konsumfreiheit zu rütteln. Doch kann man im Ernst unseren Lebensstil erhalten, wenn der anderswo auf dem Planeten Menschen die Lebensgrundlage entzieht? Und was können wir selbst im Alltag ändern?

Den Film zur Veranstaltung gibt es in Kürze auf dem YouTube Kanal von Standpunkt!

INTERVIEW MIT MINERVA CUEVAS IN VOLLER LÄNGE AUF YOUTUBE:

Zur Person:

Minerva Cuevas untersucht in ihren Installationen und Interventionen die Rolle multinationaler Konzerne in der globalen Wirtschaft. Sie thematisiert den Verteilungskampf um natürlicher Ressourcen, kritisiert Besitzverhältnisse und Werte der neoliberalen kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Sie bedient sich dabei der Sprache von Werbung und Warenästhetik, setzt diese in neue Kontexte. Subtil verändert sie bekannte Markenidentitäten, manipuliert Namen wie Bilder und regt so, oftmals spielerisch subversiv, zum Widerstand gegen gesetzte gesellschaftliche und ökonomische Spielregeln an. In ihrer Arbeit beschäftigt sie zudem welche Auswirkungen lokale Protestaktionen auf die Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen und gerechter Umverteilung von Kapital haben. Dafür untersucht sie Strategie und Machtstrukturen, die bestimmten wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zugrunde liegen.
Zudem geht die Künstlerin immer wieder der Frage nach, welchen Bedingungen das Individuum in einem kapitalistischen System ausgesetzt ist, das von Missbrauch, Enteignung und Entfremdung von angestammter und kultureller Identität geprägt ist. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass gerade im Alltag latente Möglichkeiten von Auflehnung liegen.
In ihrer Arbeit nutzt die Künstlerin verschiedene Medien wie Wandmalerei, Skulpturen, Video und Fotografie.
Minerva Cuevas studierte Bildende Kunst an der Escuela Nacional de Artes Plásticas in Mexiko- Stadt. Im Jahr 2004 erhielt sie das Stipendium für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen im Edith-Russ-Haus. Sie war 2003 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und 1998 des Banff Centre for Arts and Creativity in Kanada.
Ihre Werke wurden international in Einzelausstellungen gezeigt. Sie hat an zahlreichen Gruppenausstellungen sowie Biennalen teilgenommen.

Ausführliche Informationen: http://www.kurimanzutto.com/artists/minerva-cuevas