GESELLSCHAFT, KULTUR

Lyrik: Wir sind alle homogen

Unsere Autorin Mailin Struck denkt über die parallelen Leben der Gegenwart nach. Ihre Gedichte sind treffende Momentaufnahmen, die zum Denken anregen.


Wir sind alle homogen,
Während wir durch’s Leben gehen
Vergessen wir zu existieren
Während wir uns selbst verlieren,
Lieber normal, alle gleich,
Individualität wird Trend, schwindet zugleich.
Und du selbst reichst nicht mehr aus,
Willkommen im täglichen Schauspielhaus.
Unsere Gage Akzeptanz
Lässt uns vergessen, erst teils, dann ganz,
Dass der Vorhang niemals fällt,
Solange uns das Stück gefällt,
Lässt es sich doch einfach leben,
Mit dem Leben vorgegeben.
Im letzten Akt des Stückes dann,
Erkennen wir verzweifelt an,
Während wir eine Rolle spielten,
Von den Rängen Applaus erhielten,
Vorgaben zu lachen, leben, lieben
War von uns selbst nichts geblieben.
Ich will denken, sagen, leben,
Ohne ein Drehbuch vorgegeben,
Ohne Verkleidung die Bühne besteigen,
Ich sein und mich zeigen.

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